Wider die Monokausalität – Es könnte auch ganz anders sein, als wir denken.

Wenn Corona Geschichte sein wird, dann werden die Ursachen (man beachte den Plural!) aufgearbeitet werden, warum im einen Land die Pandemie dramatischer, im andern Land glimpflicher verlief.

Wobei mein Anliegen wäre, dass wir schon heute damit anfangen.

Was ich allerdings fürchte, habe ich bereits in dem Artikelchen „Wenn es vorbei sein wird“ (https://ursula-neumann.de/wenn-es-vorbei-sein-wird/) beschrieben.

Wir neigen alle zur Rechthaberei (auch ich!), wir neigen alle dazu, Erfolge auf das Konto gutzuschreiben, die wir ergriffen haben. Misserfolge aber haben ganz andere Gründe…..

Wenn „Fakten“ unsere Überzeugung stützen, sehen wir uns bestätigt, Wenn nicht, stehen wir vor einemn „Rätsel“ und suchen nach Begründungen. Die wir ganz gewiss auch finden. 

Ich zum Beispiel bin überzeugt: Dass in einem Land Corona so verläuft, im andern so, hat nur zum Teil mit mehr oder minder sinnvollen Maßnahmen gegen das Virus zu tun, sondern mit dem Gesundheitswesen, mit der Luftverschmutzung (für Leute, die englisch können. Brandneu von der Uni Wittenberg-Halle:https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969720321215?via%3Dihub), dem Durchschnittsalter, dem Durchschnittseinkommen der Bevölkerung, an der Zählung, an dem Unterdrücken von Daten und und und. Auch deswegen bin ich überzeugt, dass die „Medizin“ hierzulande oft mehr Schaden anrichtet, als sie nützt – vor allem, wenn man nicht nur auf die Infektionsrate starrt, sondern auch die „Kollateralschäden“ dieser verordneten mitbedenkt . und damit meine ich nicht, dass Aktienkurse sinken.   

Der Spiegel-Artikel https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-in-belgien-hohe-todeszahlen-das-belgische-corona-raetsel-a-02619af7-c902-4277-a420-b82eae86f643 

scheint mir ein Beispiel dafür zu liefern, mit welch unterschiedlichem Maß, die „Fakten“ bewertet werden: Dass Belgien weltweit die höchste Zahl von „Corona-Toten“ hat, ist für den Spiegel ein „Rätsel“ und gibt Anlass hin und her zu überlegen. (Ich setze sowohl „Fakten“ als auch „Corona-Tote“ in Anführungszeichen, weil wohl niemand klar sagen kann – weltweit nicht – wer mit und wer an Corona gestorben ist, mal ganz abgesehen davon, wie sorgfältig, wie ehrlich gezählt wird.)

Aber was den Artikel für mich so interessant machte:

Er liefert eine Grafik, in der auch die Todeszahlen pro Million Einwohner in andern Ländern dargestellt wird. (Die Grafik ist im Original deutlicher als hier abgebildet). Und siehe da: Schweden (ohne Lockdown) findet sich an achter Stelle – noch nach der Schweiz!

Das finde ich mehr als spannend. Denn auch im Spiegel wird seit wenigstens drei Wochen spekuliert, dass die schwedische Regierung wegen der hohen Sterblichkeitsrate von ihrem liberalen Kurs Abschied nehmen müsse. Und der Focus sieht schon länger den schwedischen „laschen Sonderweg“ als gescheitert an (https://www.focus.de/gesundheit/news/folgen-nicht-abzusehen-10-prozent-sterberate-schwedens-lascher-sonderweg-in-corona-krise-droht-zu-scheitern_id_11885740.html). Die dabei suggerierte Kausalität ist: Kein Lockdown – hohe Todesrate.

Belgien hat im Unterschied zu Schweden einen recht strengen Lockdown. Was für Schlüsse wollen wir daraus ziehen? Vorläufig mal keine. Höchstens den: So einfach ist das alles nicht.  

Der Spiegel titelt also:

Hohe Todeszahlen Das belgische Corona-Rätsel

In keinem Flächenstaat auf der Welt ist die Zahl der Corona-Toten im Verhältnis zur Einwohnerzahl höher als in Belgien. Die Föderalregierung gerät unter Druck. Hat sie die Pandemie unterschätzt?

Und dann die Grafik:

Corona Belgien mit Corona-Tote weltweit

in ausgewählten Ländern

Land

Tote je Mio. Einwohner

Tote absolut

Belgien

452

 

5.163

Spanien

427

 

20.002

Italien

376

 

22.745

Frankreich

279

 

18.703

Großbritannien

220

 

14.607

Niederlande

201

 

3.471

Schweiz

156

 

1.327

Schweden

138

 

1.400

Deutschland

52

 

4.352

Österreich

49

 

431

Quelle: Johns Hopkins CSSE (Stand 18.04.2020, 2.00 Uhr), Weltbank (Stand 2018)

 

Zwei Beiträge – extrem unterschiedlich zur Meinungsbildung;

Spiegel-Leitartikel vom 17.4. (leider kostenpflichtig)

Wir brauchen keine Lockerung, wir brauchen viel härtere Maßnahmen

DER SPIEGEL-Leitartikel von Rafaela von Bredow
Die Ungeduld der Menschen wächst, die Politik debattiert über Lockerungen. Wissenschaftlich betrachtet ist das fatal, der Shutdown müsste sogar noch verschärft werden – bis wir viel mehr über das Virus wissen.
https://www.spiegel.de/politik/corona-und-wege-aus-dem-lockdown-wir-brauchen-noch-viel-haertere-massnahmen-a-00000000-0002-0001-0000-000170518540#

 

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