Wenn es vorbei sein wird…

…dann werden die PolitikerInnen sagen „Wir haben es geschafft, weil unsere Maßnahmen die einzig richtigen waren“ und sie werden sich auf die Schulter klopfen. Die südkoreanischen PolitikerInnnen, die chinesischen, die taiwanesischen, die türkischen, die russischen, die amerikanischen, die schwedischen, die französischen die deutschen, die Schweizer, die dänischen, die polnischen, die peruanischen….

Sie werden sich auf die Schulterklopfen, egal ob mit Mundschutz oder ohne, ob mit Kontaktsperre oder ohne, ob mit geschlossenen Schulen/Restaurants/Fabriken/Läden/Grenzen oder offenen, ob mit vielen Tests oder mit wenigen, ob mit halbwegs korrekt erfassten Infektionszahlen oder mit erschwindelten, egal ob sie montags nur die Frauen auf die Straße ließen und dienstags die Männer, ob mit Handy-tracking oder ohne, ob sie mehr an die Eigenverantwortung appellierten oder Militär aufmarschieren ließen.    

Und die Menschen werden sagen: „Wie gut, dass wir euch hatten! Guter Job, den ihr gemacht habt!“ und sie werden dankbar sein und die Weisheit ihrer Führer und Führerinnen wenigstens bis zu den nächsten Wahlen nicht vergessen.

Gunter Schmidt (Facharzt für psychotherapeutische Medizin und Leiter des Milton-Erikson-Instituts in Heidelberg) erzählt: Er habe es sich angewöhnt, immer dann, wenn er nach einer erfolgreichen Behandlung/Beratung geneigt sei, dies auf seine äußerst gescheiten Interventionen zurückzuführen, den Satz „das hat geklappt, weil ich..“ ein ganz klein wenig zu verändern: „Das hat geklappt, obwohl ich…“ Er meint, das sei sehr produktiv, da käme viel dabei raus.

Das ist ein radikales Mittel gegen unsere Neigung, selbstverständlich seien einzig  und allein unsere Interventionen ursächlich, wenn etwas gelingt  (à la: „weil ich jeden Abend Salz auf die Fensterbank streue, kommen die rosa Elefanten nicht“. Beweisen Sie mal das Gegenteil!). Und umgekehrt sind alle andern und „die Umstände“ schuld, wenn es nicht klappt.    

Ach ja. Die PolitikerInnen müssten ja nicht mal ganz so weit gehen. Es wäre doch schon schön, wenn sie sagten: „Hm. An der und der Stelle haben wir nicht richtig entschieden… dies und das hätten wir besser machen können… Und dort haben wir schlicht und ergreifend Glück gehabt.“

Man wird doch noch träumen dürfen.

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