Der Wahlspruch der Aufklärung – nach 240 Jahren immer noch aktuell:

Also, ich kann es einfach nicht lassen. Aber Immanuel Kant bleibt einfach aktuell, meine ich Ist auch ein bisschen traurig, oder?

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebns unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw.: so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich hae nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Dass der bei weiterem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) [Nachdem sehr lange unklar war, wen Kant damit wohl meint, legen neueste wissenschaftlichen Untersuchungen von Experten nahe, dass damit vermutlich  die Männer gemeint waren.] den Schritt zur Mündigkeit, außer dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften: so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.“

Immanuel Kand, 1783   

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