Was vor dreiundvierzig Jahren in der Zeitung stand

Wie nun schon häufiger kundgetan, bin ich am Ausmisten. Dabei stieß ich auf zwei Ausgaben der „Südwestpresse“ vom 11. und 12. Oktober 1977. Vermutlich hat Johannes Sie nicht wegen der Schleyer-Entführung aufgehoben, sondern wegen des damaligen 500-jährigen Universitätsjubiläums (das er – by the way – in wichtigen Teilen zu organisieren hatte.

In den leicht vergilbten Zeitungen kann man lesen:

Carters Sicherheitsberater zum Thema Atomkrieg: Nicht das Ende der Menschheit.

Ein Atomkrieg wäre nach Auffassung des amerikanischen Präsidentenberaters für Sicherheitsfragen Brzenzinski „nicht das Ende der Menschheit…“ (11.10.1977)

sondern es wären bloß ca 10% der Menschen tot. Na denn!

USA drängen

„Die USA drängen ihre westeuropäischen Alliierten, dem Bau der umstrittenen Neutronenbombe zuzustimmen….“ (12.10.77)

Neutronenbombe? Das war jene praktische Erfindung, bei der die Gebäude intakt bleiben und nur alles was lebt, draufgeht. Eine praktische Idee: Nach Beseitigung der Leichen, konnte die siegreiche Armee einfach die Kasernen, Ministerien und was weiß ich weiter benutzen Keine Ahnung, was daraus geworden ist.

Klares Ja der CDU zum Atomstrom

„… Kohl: Gegener der Kernenergie zutiefst reaktionär“ Und der damalige Noch-Ministerräsident von Baden-Württemberg wusste:„daß die ganze überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler und Sachverständigen die friedliche Nutzung der Kernenergie für notwendig und sicher hält.“  (11.10.1977)

Geburtenrückgang wird ab 1980 die Krankenkassen entlasten

(12.10.1977) Die dahinersteckende Logik wirkt etwas kraus, wird allerdings durch das Wort vorübergehend und die Voraussetzung „daß auf die Krankenkassen keine zusätzlichen Belastungen zukommen“ eingeschränkt.

Eine tiefe Volksweisheit wird auch vermittelt:

Hat der Melker kalte Hände, flieh’n die Kühe ins Gelände

(12.10.1977)

Und:

„Ganztagsschule ein gefährliches Instrument“

… nämlich „in der Hand jeder Regierung“ Dieser Meinung war mindestens der baden-württembergische Oberschulamtspräsident Hans Pitsch aus Tübingen.(12.10.77)

Eine Meldung war auch Folgendes wert  (12.10.77)

5559 Ehen wurden am 7.7.77 geschlossen

Allein In Baden-Württemberg, wohlgemerkt! Wie viele davon noch bestehen?

Und schließlich konnte der Flughafen Stuttgart noch ungeniert werben 11.10.77):

Mit Flugzeug geht’s doch schneller.

Gibt es eigentlich noch jemanden außer mir, der sich wundert, dass das Ausmisten einfach nicht vorankommen will?

 

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