Vertrauen in Zahlen? Vorsicht!

Anfang Dezember hatte ich eine kleine Kontroverse mit meiner Tochter. Sie behauptete, dass die Verbreitung von Corona in Afghanistan katastrophal wäre. Da sie beruflich viel mit Menschen dort zu tun hat, war dies eine Aussage von einigem Gewicht. Aber ich vertraue lieber harten Zahlen und so schaute ich nach. Die John-Hopkins-University ist nun unbestreitbar eine seriöse Quelle. Hier wurden am 6. Dezember 1874 Todesfälle aufgrund von Covid-19 gemeldet. Bei 38 Millionen Einwohnern. (Heute, am 23.12.20 sind 2096 Tote bei 50 190 Erkrankungen aufgelistet.) Das heißt: Die Schweiz würde sich glücklich schätzen, wenn sie diese Zahlen vorweisen könnte (8,6 Millionen Einwohner, ca. 4500 Todesfälle an oder mit Covid-19).

Die Sache schien klar. Und ein bisschen triumphierte ich mit der Überlegenheit wissenschaftlich harter Fakten gegenüber „Berichten“ – auch wenn diese von noch so glaubwürdigen Menschen vor Ort stammten

ABER was ich nicht wusste und was meine Tochter in vielen Gesprächen erfuhr:

In Afghanistan ist es eine Schande an Covid-19 zu erkranken – außerdem gilt die Erkrankung als schuldhaft. Man hat sich falsch verhalten.

 

Afghanistan Corona Zahlen: Vertrauen in Zahlen? Vorsicht!
Vertrauen in Corona Zahlen am Beispiel von Afghanistan

 

Das bedeutet: Keineswegs aufgrund der mangelhaften Gesundheitsversorgung (die sicher noch dazu kommt), sondern wegen Scham und aus Angst vor Diffamierung der ganzen Familie wird die Krankheit verleugnet, man sucht keinen Arzt, kein Krankenhaus auf. Todesfälle werden „umetikettiert“. Im Iran spiele sich genau dasselbe ab.

Klar ist, dass kein vernünftiger Mensch den Zahlen aus China, Russland, Nordkorea etc. traut. Aber bei Ländern, von denen man ausgehen kann, dass staatliche Propaganda keine große Rolle spielt, erscheint es plausibel und vernünftig, den offiziellen Zahlen zu glauben. Aber Vorsicht!

Mir fiel Irland ein: In meiner Jugend wies Irland eine unglaublich geringe Suizidrate auf. Die katholische Kirche brüstete sich und verwies darauf, dass die hohen Zahlen in anderen Ländern eben die logische Konsequenz mangelnden Glaubens und Kirchenbesuchs seien. Bei näherer Betrachtung stellte sich jedoch heraus: Suizid war in Irland eine derartige Schande für die ganze Familie – das durfte nicht sein. Deshalb wurde auf dem Totenschein etwas anderes vermerkt, wenn es irgend möglich war: Unfall oder plötzlicher Herztod oder was weiß ich. Vermutlich wurde es als „Sportunfall“ deklariert, wenn man jemanden aufgehängt am Baum fand. Heute bewegen sich die Suizidzahlen von Irland mit geringfügigem Unterschied zwischen denen der Niederlande und der Schweiz.

Übrigens: Geht man die Liste der Suizidraten in den einzelnen Ländern durch, fällt auf, dass islamische Länder (einschließlich Syrien) eine ausgesprochene geringe Suizidrate aufweisen. Auf dem Papier. Ob den Zahlen zu trauen ist, darf bezweifelt werden. Denn im Islam gilt noch heute, was früher für Irland galt: Suizid darf nicht sein.  

Fazit: Zahlen sind hilfreich. Aber Zahlen allein bringen es nicht. Sie müssen interpretiert und verstanden werden. Gebrauchen wir unseren Kopf!

Im Juni hatte ich schon mal was zu Afghanistan geschrieben: Corona. Zum Beispiel in Afghanistan.

Kommentare

  1. Marion Battke
    26. Dezember 2020

    Super, der Hinweis auf die BEDEUTUNG der Fakten.
    Mir fällt dazu ein, was Haustierbesitzer wissen: Für zB Katzen gilt, dass sie Schmerzen erst zeigen, wenn sie kurz vor dem Aufamseln sind. (Ihr Mensch ist deswegen auf Beobachtung und Kenntnis der Körpersprache angewiesen.)
    Grund ist, dass ein krankes Wildtier gegenüber dem Kontrahenten im Nachteil ist. Es wir deshalb bis zum Äußersten seine Schmerzen („Schwäche“) unterdrücken.

    Antworten

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