Wofür ist Geld da? Zahlen zur Prävention „vermeidbarer Todesfälle“

Die Frage, warum im Falle von Corona Geld keine Rolle zu spielen scheint, „wir“ uns demgegenüber gewöhnt haben an vermeidbare vorzeitige Todesfälle aufgrund von ungesunder Ernährung, ungesundem Lebensstil, Nikotin- und Alkoholabhängigkeit oder z.B. MRSA, ließ mich nach konkreten Zahlen suchen.

Fangen wir mit den täglich wenigstens 40 Toten an, die auf das Konto von Krankenhauskeimen (MRSA) zu verbuchen sind. Diese Todesfälle sind kein unvermeidbares Schicksal. Das beweisen die Niederlande: „Die Verbreitung des resistenten Krankenhauskeims MRSA etwa liegt bei 16 Prozent in der Bundesrepublik, aber nur bei einem Prozent an den niederländischen Kliniken – ein fulminanter Unterschied.“ Nach der Lektüre des Spiegel-Artikels  (Wieso niederländische Kliniken sicherer sind als deutsche) von 2017 ist klarer: Der Unterschied erklärt sich durch die unterschiedliche Antwort auf die Frage: „wofür ist Geld da – und wofür nicht?“ – Zum Beispiel für Reinigungspersonal.   

Wie sehen die Zahlen im Bereich der Prävention aus?1

Insgesamt beliefen sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2019 auf 251,9 Milliarden Euro. Davon entfielen 1,54 %  auf „Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen“ (Schöne Schaubildchen, bitte beachten: hier werden nur die ersten drei Quartale aufgelistet, daher vermerke ich nur die Prozentzahl, die sich vermutlich durch das vierte Quartal nicht groß verändert haben dürfte.)

Im Pressebericht des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen vom 28.11.2019 kann man lesen:

„Mit mehr als 544 Millionen Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr Aktivitäten zur Gesundheitsförderung in Lebenswelten, Betrieben und für einzelne Versicherte unterstützt. Das entspricht 7,49 Euro je Versicherten – damit übertrafen die Krankenkassen den gesetzlich vorgesehen Orientierungswert von 7,34 Euro. Erreichen konnten sie mit den geförderten Maßnahmen insgesamt fast 8,5 Mio. Menschen.“

Wohlgemerkt: Darin sind ALLE Präventionsmaßnahmen der Krankenkassen enthalten: Kurse zum Stressabbau, Aktivitäten in Kindergärten, Betrieben, Altersheimen und so weiter. (Wen es interessiert: der vollständige Präventionsbericht)

Ich wiederhole: Im ganzen Jahr 2019 wurden von den gesetzlichen Krankenkassen 7,49 Euro pro Nase für Maßnahmen der Prävention ausgegeben. Umgerechnet ist das etwa 1 ½ Hamburger Royal Käse bei McDonalds

 

  1.  
Geld zur Prävention vermeidbarer Todesfälle
Geld zur Prävention vermeidbarer Todesfälle

Und was darf „Corona“ kosten?

Diese Woche hat Herr Spahn eine Aktion gestartet: Ältere BürgerInnen und chronisch Kranke bekommen gegen Vorlage des Personalausweises insgesamt fünfzehn FFP2-Masken kostenlos.

Ich würde Sie jetzt gerne raten lassen, was das den Steuerzahler, die Steuerzahlerin kostet – Als Preis für die richtige Lösung könnte ich eine Tafel Schokolade ausloben (was allerdings auch nicht so ganz gesund wäre…). Geht leider nicht. Deshalb schreibe ich es:

Die Masken-Aktion kostet 2,5 Milliarden Euro. Bei diesem unglaublichen Beitrag kamen mir Zweifel, ob das stimmt. Aber: Die Zahl ist korrekt: : „Spahn kalkuliert in der Verordnung mit Kosten von je sechs Euro pro Schutzmaske für Beschaffung und Abgabe in der Apotheke. Außerdem sollen die Krankenkassen ihre Verwaltungskosten ersetzt bekommen. Wenn alle 27,3 Millionen anspruchsberechtigten Menschen 15 Masken beziehen, steht am Ende ein Gesamtbetrag von rund 2,5 Milliarden Euro, der vom Bund übernommen werden muss.“

Das bedeutet: Diese Aktion wird mehr als das Vierfache  der jährlichen Ausgaben für gesundheitliche Prävention kosten. 

Gegen diese Summe sind die Kosten für die Corona-Warn-App ein Schnäppchen: Die belaufen sich auf etwa 69 Millionen Euro.

Ich lese  den Artikel von Berit Uhlmann von heute (19.12.20) in der Süddeutschen. Sie empört sich über Leute, wie mich, die immer wieder darauf hinweisen, dass es Todesfälle gibt, denen ganz anders als Corona-Toten kaum Beachtung geschenkt wird: „Zugleich führen diese Vergleiche aber auch zu zunehmend ärgerlichen Kollateralschäden. Denn die permanente Wiederholung, dass sich niemand für die Verkehrstoten oder all die Opfer anderer Gesundheitsgefahren interessieren würde, dass man sich daran gewöhnt hätte, sie schulterzuckend in Kauf nehmen würde, ist grundfalsch…. Gegen so gut wie jede größere Gesundheitsgefahr gibt es seit Langem umfangreiche Strategien: Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Medikamente, Operationen Lebensmittelinspektionen, vernünftige Sanitäranlagen, bessere Luftqualität, psychische Betreuung, Schutz vor klimatischen Einflüssen und Umweltgiften.“

Es fällt mir schwer, nicht ironisch zu werden: Frau Uhlmann, Sie haben die ungeheure präventive Bedeutung nächtlicher Straßenbeleuchtung vergessen: Wieviele Stürze werden dadurch vermieden!

Also, ich weiß nicht genau, ob die Überschrift des Artikels von Frau Uhlmann stimmt „Alle Toten zählen“. Der Inhalt verdient allerdings das Etikett „Thema verfehlt.“ Bestenfalls.

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  1. (Einen ausführlichen Artikel zur Frage der Prävention habe ich vor vielen Jahren verfasst. Er ist immer noch aktuell: Gesundheit – soziale Ungleichheit – Eigenverantwortung: (Miß-) Felder der Politik. Er kann als Word-Datei nachgelesen werden, aber man muss ein paar Sekunden warten,  bis er erscheint:  00.Gesundheit.Soziale Ungleichheit. Eigenverantwortung  )

Kommentare

  1. Marion Battke
    22. Dezember 2020

    Danke für Deine Mühe!

    Antworten

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