Portugals Reise: Einmal von Hotspot nach Musterland und zurück

Es ist kaum zu glauben, wie schnell wir vergessen. Es mein Hobby – und ein bisschen verstehe ich es auch als meinen Job hier – zu erinnern. In der Hoffnung, dass daraus Schlüsse gezogen werden. Vielleicht sogar die richtigen.

Gerade haben wir das Beispiel Portugal.  (Siehe auch der Brief des Chefarztes der Infektiologie an seinen in Portugal urlaubenden Sohn) 

Die Botschaft vom April ’21: Durch Hammerlockdown zum Musterland

Vom Hotspot zum Corona-Musterland – Das Wunder von Portugal“ titelte BILD  am 6.4.21.Bei der Deutschen Welle vom 8.4.21 wurden unter „Portugal: Vom Hammerlockdown zum Entspannungskurs“ die Maßnahmen beschrieben. Nicht kritisch, sondern – wie auch in anderen Medien – mit dem deutlichen Unterton: So macht man es richtig! Keine Halbheiten! Knallhart! Dann stellt sich auch der Erfolg ein.

Ich zitiere:

Mitte Januar zog die Regierung von Premierminister António Costa die Notbremse und brachte das soziale Leben in Portugal nahezu zum Erliegen. Das Mittel wirkte: So rapide die Zahlen zuvor gestiegen waren, so plötzlich fielen sie auch wieder: Vier Wochen später sank die Sieben-Tages-Inzidenz unter die Marke von 100. Mittlerweile liegt sie unter 30. 

24-Stunden-Ausgangssperre

Die Maßnahmen der Regierung waren extrem streng: Seit dem 15. Januar durfte in Portugal niemand mehr ohne besonderen Grund die eigene Wohnung verlassen. Zu den Ausnahmen zählten notwendige Besorgungen, der Weg zur Arbeit oder zur Schule und für kurze Aufenthalte an der frischen Luft. Treffen mit Personen anderer Haushalte waren nicht erlaubt….

Maskenpflicht überall

Unabhängig vom Zweck des Ausflugs muss jeder in Portugal, der die eigene Wohnung verlässt, einen Mund-Nasen-Schutz tragen – nicht nur beim Einkaufen, sondern auch auf der Straße. Diese Vorschrift gilt weiterhin.

Kultur und Sport verboten

Sämtliche Kultur-, Sport- und sonstige Freizeiteinrichtungen des Landes wurden im Januar geschlossen. Seitdem war körperliche Ertüchtigung ausschließlich allein und im unmittelbaren Umfeld des Wohnsitzes erlaubt, um sich – und gegebenenfalls seinem Hund – ein wenig Bewegung und frische Luft zu verschaffen…..

Bußgelder und Haftstrafen

Die Polizei kontrolliert streng, dass die Maßnahmen eingehalten werden, Medienberichten zufolge sogar per Hubschrauber. Einfache Verstöße, zum Beispiel gegen die Maskenpflicht auf der Straße, werden mit einem Bußgeld von mindestens 100 Euro bestraft. Wer vorsätzliche handelt oder auf Ermahnungen durch Beamte nicht reagiert, muss mit härteren Strafen bis hin zur Festnahme rechnen.

 

Juni ’21: Vom Musterland zum Virusvariantengebiet

Am 1.5. endete der Hammerlockdown. Das „Wunder“ hatte eine sehr begrenzte Haltbarkeit.

Bereits am 17.6.  (Also keine sieben Wochen später!) stand auf der Website der Deutschen Welle:

„Lissabon wegen hoher Coronazahlen abgeriegelt“

Same procedure as every year? Da streitet die Politik noch, berichtet die DW:

Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa hatte am Wochenende einen möglichen weiteren Lockdown dennoch vehement abgelehnt…. Regierungschef António Costa äußerte sich vorsichtiger: „Niemand kann garantieren, dass wir nicht zum Lockdown zurück müssen.“

Portugal zum Virusvariantengebiet erklärt

Aber es kommt noch schlimmer! Portugal wird – wenigstens von der Bundesrepublik – zum bösen Virusvariantengebiet erklärt (Die EU findet das aus irgendwelchen Gründen nicht prickelnd). Der Deutschlandfunk am 29.6.21

Mit der jüngsten Einstufung Portugals durch die Bundesregierung aber gelte ein weitgehendes Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen. Sie dürften nur noch deutsche Staatsbürger und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland über die Grenze bringen, führte der EU-Sprecher aus.

Seit heute gelten strengere Einreiseregeln für Rückkehrer aus Portugal und Russland. Die Bundesregierung hat die beiden Staaten wegen der Delta-Variante zu Virusvarianten-Gebieten erklärt.“

Angeblich verlassen Portugal-Urlauber das Land in Scharen. Ich weiß nicht, ob der Grund in einer Vermeidung der drohenden 14-tägigen Quarantänepflicht zu suchen ist, in der Unsicherheit, ob beim regulären Urlaubsende noch ein Flieger zu kriegen ist oder aus Angst vor der Deltavariante.

Eine Antwort darauf interessiert mich nicht so sehr wie eine Antwort auf die Frage: Ob es vielleicht doch denkbar sein könnte, dass die Politik feststellt: Unsere Strategie war wohl nicht zielführend und das Motto „Mehr desselben“ wird es wahrscheinlich erst recht nicht sein.

Also,  ich meine ja nur… so ganz eventuell.

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