O Schrecklassnach: Präsident Biden darf womöglich nicht mehr zur Kommunion!

Das Foto zeigt ein Fresko aus der Kirche in Loffenau: eine sogenannte Hostienmühle. Oben wird der Herr Jesus reingesteckt, die Prälaten und Bischöfe drehen ihn durch die Mangel und unten kommen die Hostien raus.

Präsident Biden ist katholisch. Herr Trump ist irgendwas anderes. Keine Ahnung, was.

Auf alle Fälle ist in den USA die Zugehörigkeit zu einer anständigen Religionsgemeinschaft (das heißt: zu einer, die sich irgendwie auf irgendwas Christliches beruft) essentiell. Wobei „katholisch“ dort eher  zu den seltsamen Glaubensrichtungen zählt. Baptisten stehen im Ranking deutlich höher. Mormonen auch, glaube ich.

Das Verhältnis der US-BürgerInnen zur Religion – aus europäischer Sicht: merkwürdig

Aufgewachsen bin ich in einer Zeit, in der die USA „das progressive, moderne Land“ war, das es zu imitieren galt. Kein Schlagersternchen, das seinen Namen nicht amerikanisierte. Aus Rosemarie wurde Mary Roos und legte sich einen amerikanischen Akzent zu. Die schon damals aus europäischer Sicht befremdende Haltung zur Religion ist mir zum Bewusstsein gekommen, als ich während meines Theologiestudiums in Würzburg mal (kurz) mit einem (durchaus hochrangigen) GI befreundet war. Er sagte (vermutlich beim Ruderbootfahren auf dem Main – das machten wir manchmal – wenn wir nicht in seinem Buick cruisten… oder so), er ginge jeden Sonntag in den Gottesdienst. Ich lachte, weil ich das für einen Witz hielt. Aber er versicherte mit großem Ernst: Doch, das sei wahr – und beten würde er auch täglich.

Naja, inzwischen lache ich nicht mehr, sondern habe gelernt „so sind sie, die Amis“. Muss ich ja nicht verstehen.

Mehrheit der US-amerikanischen Bischöfe wollen Biden die Kommunion verweigern. Wegen liberaler Haltung zur Abtreibung

Von daher erstaunt mich nur mäßig, dass die amerikanischen Bischöfe hin- und herüberlegen aber mit großer Mehrheit zu dem Schluss kommen, dass Biden die Kommunion zu verweigern ist, weil er in Fragen der Abtreibung eine liberale Haltung einnimmt. Dazu soll ein offizielles Schreiben rauskommen. Zwar vermutlich ohne Nennung von Namen, aber alle wissen, wer gemeint ist. Der Vatikan fand die Idee wohl nicht so gut (die denken durchaus manchmal weiter!)– aber wie der Spiegel schrieb „Die Warnungen aus dem Vatikan verhallten“. 

„Eure Sorgen möchte ich haben“, bin ich geneigt zu sagen. Aber „Abtreibung“ ist in der katholischen Hierarchie und bei den strammen KatholikInnen „das“ Verbrechen schlechthin. Naja, Homosexualität kommt gleich dahinter. Früher war es auch mal Scheidung oder Sex vor der Ehe. Da hört man inzwischen weniger.

Ein Schreiben der US- Bischöfe, mit dem BefürworterInnen des Erwerbs von Schusswaffen von den Sakramenten ausgeschlossen werden wäre mir unbekannt. Gerade trat in Texas ein neues Gesetz in Kraft, mit dem jede(r ), der eine Waffenlizenz hat – das sind eine Million TexanerInnen – seine Knarre auch offen tragen darf. Durch Schusswaffen wurden z.B. 2020 in den USA über 19 000 Menschen getötet, darunter etliche hundert Kinder unter 11 Jahren.

Unbekannt wäre mir auch ein bischöfliches Schreiben, in dem diejenigen dem Kirchenbann verfallen, die mit dem Raubbau an der Natur die Existenz künftiger Generationen gefährden oder die durch Ausbeutung (nicht nur in Entwicklungsländern) Menschenleben auf dem Gewissen haben. Oder melden sich die Bischöfe mannhaft zu Wort, wenn PolitikerInnen die (atomare) Hochrüstung vorantreiben? Wurde ein Politiker, eine Politikerin (da wird ja auch der eine oder die andere Katholikin drunter gewesen sein) aufgrund der Verbrechen im Vietnam- oder während der Irakkriege öffentlich von der Hierarchie sanktioniert (erinnert sich noch jemand an Agent Orange oder Abu Ghraib??)

Naja, der Spiegel-Artikel endet: „Die Mitgliederzahl der katholischen Kirche in den USA ist laut einer im März veröffentlichten Gallup-Umfrage in den letzten zwei Jahrzehnten um fast 20 Prozent gesunken“. Ich möchte den US-amerikanischen Bischöfen zurufen:

„Ihr seid auf dem richtigen Weg! Weiter so!“  

 

 

 

 

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