Digital Leben retten – koste es was es wolle! Die Geschichte von Luca und der Corona-Warn-App

Die Modernen und die weniger Modernen

Es ist eben einfach schicker, was Digitales zu installieren, als zum Beispiel in eine bessere Bezahlung in der Pflege zu investieren. So eine App macht mehr her als die Erhöhung des Stundenlohns der Krankenschwester um ein paar Cent. Jedermann und jedefrau sieht sogleich: Unsere Politik hat die Digitalisierungszeichen der Zeit erkannt.

Es war nur ganz in der Anfangszeit der Apps, dass ich blöd angemacht wurde „Was, du hast dir die App nicht runtergeladen?“. Der Ton war je nachdem vorwurfsvoll (à la „wie kann man nur so unverantwortlich sein“) oder mitleidig (à la „du alte Oma blickst es vermutlich nicht und hältst das Handy – so du überhaupt eins hast – vermutlich sowieso verkehrt rum.“).

Sehr bald wurde es merkwürdig still.

 

Das Desaster der Corona-Warn-App

Wir schrieben den 12. Februar 2021. Da stellte ich einen Artikel ins Netz. Machen Sie mir die Freude und schauen Sie ihn sich an! Ich titelte:

Corona-Warn-App: 37 000 für 69 Millionen Euro

Ich berichtete über einen Artikel des Ärztlichen Nachrichtendienstes vom selben Tag und schrieb:

„[… ]Zwischen Februar und Ende September – so ist in dem Artikel zu lesen – sind ÄrztInnen 9,4 Millionen Mal wegen Verdacht auf Corona konsultiert worden. Es wurden 4,5 Millionen PCR-Tests durchgeführt.

Und jetzt kommt’s:Mehr als 37 000 Behandlungsanlässe gingen auf eine Warnung durch die Corona-Warn-App zurück.“

Wow! Mehr als 37 000!

Ich interpretiere „mehr als 37 000“ großzügig als 37 500.  Und da die Bundesregierung im Oktober als Kosten für die Entwicklung der Corona Warn-App 69 Millionen Euro angegeben hat, teile ich 69 000 000 durch 37 500. Das macht 1840 Euro pro Arztkonsultation mit oder ohne Test.

Das nenne ich mal effizient!“

 

Da Capo! 11 Monate später: „Luca-App: Viel Geld für nichts?“

So. Und exakt 11 Monate später erschien ein neuer Artikel im Ärztlichen Nachrichtendienst. Diesmal zur Luca-App.

Ich zitiere:

„Mit der Luca-App sollten sich Kontakte von Infizierten ohne großen Personalaufwand ermitteln lassen und so die Pandemie eingedämmt werden: Das war die Hoffnung im Frühjahr 2021. Doch spätestens jetzt zeigt sich: Die App wurde von den Gesundheitsämtern kaum genutzt – und verursachte hohe Kosten.

[…] Ein krasses Beispiel ist Bremen. 220.000 Euro hat das chronisch klamme kleine Bundesland bislang für die Nutzung der Luca-App gezahlt. Genutzt wurde sie aber so gut wie gar nicht. Lediglich zehn Fälle, bei denen der Kontakt durch die Daten aus der App ermittelt werden konnte, habe es gegeben, berichtet „buten un binnen“ unter Berufung auf das Gesundheitsressort. Pro über die App ermitteltem Kontakt hat Bremen also schlanke 22.000 Euro ausgegeben.“

Andernorts sehe es nicht besser aus.

[…] Insgesamt haben die 13 Bundesländer, die sich für Luca entschieden haben, mehr als 21 Millionen Euro für die Linzenzen gezahlt. Mehrere Bundesländer – auch Bremen – überlegen nun, die Verträge zu kündigen. […]

Das Portal hat bei den Bundesländern nachgefragt, wie oft die App genutzt wurde. Nur aus wenigen Ländern kamen konkrete Antworten. In Rheinland-Pfalz nutzten die Gesundheitsämter demnach die App in den Monaten von April bis Oktober insgesamt für „0 bis 5 Kontaktpersonennachverfolgungen pro Gesundheitsamt“. In Bayern seien im Dezember 2021 so gut wie keine Luca-Daten mehr von den Gesundheitsämtern abgefragt worden. Auch in anderen Bundesländern spiele die App „fast keine Rolle mehr“.

 

Wie gut, dass bei uns Geld auch fast keine Rolle spielt! Also, ich meine: Wenn’s um digitale Schnellschüsse geht. 

Ach, die Umrechnung wie viel unserer(en)  Regierung(en) eine einzige Luca-Daten-Meldung an die Gesundheitsämter wert war/wert ist, erspare ich mir. Mir reicht da die Bremer Zahl: 22 000 Euro pro ermitteltem Kontakt!  Aber vielleicht gibt es unter den LeserInnen irgendein Freak, der/die es genauer wissen will. Das Ergebnis würde mich dann doch interessieren.   

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