Dieses Wetter macht mich richtig depressiv…

Es war 1975 (ein auch aus anderen Gründen denkwürdiges Jahr….  für mich) da sang Rudi Carell „Wann wird’s mal endlich wieder richtig Sommer…“

Das youtube-Filmchen dazu (https://www.youtube.com/watch?v=KzEOvyDcVas) ist als historisch wertvoll einzustufen: Klassischer Fall von „Frauen als Dekoration eines Mannes“. Wobei mich eigentlich mehr die Frage beschäftigte, wie Rudi Carell es schaffte ohne nassen Hintern von seinem Sitz mitten im Pool wieder aufzustehen. Glaubt man dem Schlagertext hätte es schon früher Temperaturen bis 40 Grad in unseren Breiten gegeben – ich halte das für ein Gerücht. Schlagertext eben…

Ach, was wünsche ich mir verregnete Sommer herbei! Jetzt gucke ich auf meine Wetter-App, immer wieder, immer wieder (irgendwie meine ich, das hätte wie beim Blutdruckmessen magische Wirkung) – und nein: kein Regen in Sicht.

Der dritte trockene Sommer, das dritte, viel zu trockene Jahr.

Ich denke an den verwunderten Ausspruch eines UN-Blauhelmsoldaten im Jugoslawienkrieg. Er stammte aus einem Wüstenland und meinte: „Ich verstehe nicht, warum die Leute Krieg führen, es ist doch Wasser genug da.“

Hier auf dem Land sind einem die Folgen doch näher als in den klimaanlagengekühlten Einkaufszentren und Bürohochhäusern der Städte.

Ab morgens sechs Uhr höre ich die Traktoren. Auf dem Anhänger sind riesige Wasserbehälter, die werden an einer Zapfstation hier im Dorf gefüllt. Abends um 21 Uhr fahren die letzten. Wie lange geht das noch?

Ich denke an meine Oma im an und für sich ewig kühlen Villingen im Schwarzwald: Damals gab es im Sommer öfter Verbote, den Garten zu spritzen. Wobei ich recht sicher bin, dass das nicht an der Hitze lag, sondern Wasser war grundsätzlich knapp – bis wir an die Bodenseewasserversorgung angeschlossen waren. Und meine Oma setzte sich am sehr späten Abend oder am sehr frühen Morgen über das Verbot der Obrigkeit hinweg…. Wie das mit dem Wasser aus dem Bodensee funktioniert, habe ich bis heute nicht verstanden. Bis Stuttgart werden die Menschen mit Bodenseewasser versorgt – und der See ist immer noch nicht leer. Irgendwer wollte mir das mal erklären, aber ich habe es nicht kapiert und wundere mich nach wie vor.

Manche Bauern hier haben schon vorausschauend Bewässerungsanlagen in den Weinbergen installiert, die das Wasser punktgenau an die Pflanzen bringt. Aber eben nur an die Weinstöcke.

Oder an meine Birke hinter dem Haus. Es ist eigentlich nicht meine Birke, sondern die Birke Joachims. Er brachte sie in seiner Grundschulzeit irgendwann als ganz mickriges Bäumchen von einem Abfallhaufen mit und wir pflanzten sie ein. Jetzt ist sie ein großer Baum –aber seit zwei Jahren mickert sie. Der Gärtner hat einen Spezialschlauch um den Stamm gelegt, mit kleinen Löchern drin, dass das Wasser langsam in die Erde sickert.

Na… meine Wasserrechnung möchte ich nicht sehen. Aber die Birke darf nicht eingehen! Die eine Erle aber  – die ist schon nicht mehr zu retten, glaube ich.

Ich habe zunehmend eine anthromorphe Vorstellung von Bäumen, meine zu spüren, wie sie Durst haben, wie sie in ihrer Not gequält die Blätter einrollen und alle, alle abstoßen, die sie nicht unbedingt brauchen. Viele sind nichtmehr grün sondern traurig rostfarben.   

Wenn ich durch den Schwarzwald fahre, sehe ich ganze Gruppen abgestorbener Bäume. So schlimm war es zur Zeit des „Waldsterbens“ nicht. Oft liegen Stäme kreuz und quer herum. Wahrscheinlich waren sie schon geschwächt und dann hat ein mäßiger Sturm genügt, sie umzuknicken. Sie werden gar nicht abtransportiert. Entweder weil es zu viele sind und man gar nicht mehr nachkommt – oder weil es sich finanziell nicht mehr lohnt. Die Laubbäume scheinen besser mit der Hitze fertigzuwerden… Ich erinnere mich an Diskussionen zu Forst-Monokulturen. Es muss sich rentieren. Bin ich jetzt schadenfroh? Ach was!

Sonntag, beim Kaffee meinte Andi, er sei gespannt, ob es in zwanzig, dreißig Jahren hier normal sei, dass wir statt Fichten, Tannen, Birken, Erlen, Buchen, Eichen diverse Palmenarten, Zypressen, Feigenbäume haben. Schließlich seien ja auch südlichere Gefilde begrünt. „Na“, meinte ich „das erlebe ich nicht mehr.“ Zum Glück. Das will ich nämlich nicht erleben. Ist vielleicht ein Traditionalismus, der dem Alter geschuldet ist. Aber dazu stehe ich und bin traurig.

Fazit für heute ist jedenfalls: Too darn hot.

https://www.youtube.com/watch?v=WS_YAKZH3lw

 

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