Corona und Intensivbetten

Dr. med. Karlheinz Bayer (Kalle aus dem Renchtal) ist nicht nur Doktor sondern auch in der FDP (was ich manchmal betrüblich finde, aber jeder hat eben so seine Geschichte und sein Päckchen zu tragen) und dortselbst und überhaupt ist er kommunalpolitisch äußerst aktiv.
Was er schreibt, betrifft zwar zunächst vor allem die Situation in meinem Lankreis, dem Ortenaukreis. Mit seiner jetzt schon längeren Geschichte der Schließung von kleinen „ineffektiven“ und „unrentablen“ kleinen Krankenhäusern und großen landrätlichen und bürgermeisterlichen Plänen für so ein richtig großes Wums-Krankenhaus. Wie es die „Experten“ bis vor ganz, ganz, ganz kurzer Zeit empfahlen (da ich gerne auf mich verweise: nachzulesen unter https://ursula-neumann.de/krankenhaeuser-schliessen-leben-retten/ ). Im Moment irgendwie weniger… Aber der Ortenaukreis eignet sich als exemplarisches Beispiel. Als ein exemplarisches Beispiel eines bundesweiten Skandals?
 
 
 
    
 
Dies ist eine Pressemitteilung, die Internetseite 
 
Sehr geehrter Herr Braun,
sehr geehrter Herr Kramberg,
 
ich möchte Sie auf eine Internetseite aufmerksam zu machen, in der es um die Auslastung der Intensivbetten seit der Konzentration auf COVID-19-Patienten  geht.
Gezeigt werden über die letzten 2 Monate sowohl die COVID-19-Zahlen, wie auch die Bettenzahlen, die für nicht-COVID-19-Patienten genutzt wurden und die leerstehenden Intensivbetten.
 
Meine Motivation für diese Mitteilung:
 
Ich tue das unter Hinweis auf den Rückbau in Ettenheim, die Schließung in Oberkirch, um in Achern eine weitere Intensivstation einrichten zu können und den Umbau in Kehl zu einem reinen Covid-19-Haus.
Inzwischen ist bekannt geworden, daß das aus Oberkirch nach Achern verlagerte Personal mangels Arbeit zu einem großen Teil in Zwangsurlaub geschickt wurde.
Außerdem beklagt sich die Klinikleitung, daß die Ambulanzen in Offenburg und Lahr deutlich weniger in Anspruch genommen wurden als vor den Maßnahmen
Die Geschäftsführung macht aus beidem bislang ein Geheimnis.
Das finanzielle Defizit und die Beurlaubung der Angestellten müsse erst noch ermittelt werden, heißt es.
 
Genau in diesen Kontext paßt die zitierte Internetseite, die mir am Wochenende zugeschickt wurde
Auf ihr läßt sich die Nutzung und die Nicht-Nutzung der Intensivbetten in allen deutschen Kreisen ablesen.
Allein deshalb, weil Tag für Tag Belegungszahlen genannt werden, kann sogar eine erste Schätzung über die Kosten erfolgen.
Die Krankenhausgeschäftsführung jedenfalls könnte das mit wenigen Mouse-Clicks mit zuverlässiger Genauigkeit.

Für die Ortenau ergibt sich, daß wir uns in den gesamten zwei Monaten durchweg im bundesweiten unteren Drittel bewegt haben, was die Anzahl der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen betrifft.
Das trifft übrigens für unser Bundesland ebenso zu, obwohl Baden-Württemberg zu den am meisten betroffenen Bundesländern gezählt wurde.
An keinem Tag vom 17. April 2020 bis gestern, 31.Mai 2020,  lag die Zahl in der Ortenau über 10% der insgesamt 122 Intensivbetten.
Ich kann nicht sagen, ob die zusätzlichen und nie genutzten Betten im Lahrer Herzzentrum in diesen 122 Betten mitgerechnet wurden
Die Tage mit den meisten COVID-19-Patienten waren der 6. und 7. Mai 2020 mit jeweils 9 Patienten kreisweit, was 7,3 % der Intensivbetten entspricht.
Im Durchschnitt lag die Zahl der intensiv betreuten COVID-19-Patienten bei 4 bis 6, was 3-5% der Beatmungsplätzen entspricht. 

Interessant ist auch, wie es sich um die Betten steht, in denen die Nicht-COVID-19 Patienten versorgt wurden.
Diese Zahl  lag zu Beginn der weitgehenden Schließung des Normalbetriebs am 17.April 2020  bei 17 %. 
Sie stieg nach der ersten Lockerung nach dem 1. Mai auf durchschnittlich 30%, letzten Donnerstag, 28. Mai 2020, waren es erstmals wieder knapp 50% .
Die normale Nutzung in normalen Zeiten liegt bei über 70%.
Schlimmer noch ist die Zahl der weder mit Corona-Patienten noch sonst
genutzten Betten.
Immer waren in den genannten Wochen mehr als die Hälfte der
Am 17. Mai ebenso wie am 1.-3. Mai lag die Zahl der ungenutzten Betten sogar bei 73-77% , also standen etwa ebenso viele Betten leer wie sonst belegt gewesen wären.

Weder die Schließung des ganzen Hauses Oberkirch noch der Rückbau in Ettenheim und die Umwandlung des Kehler Hauses in ein reines Corona-Haus waren gerechtfertigt.
Besonders die Nutzung kleinerer Häuser als coronafreie Kliniken wurde sträflich außer Acht gelassen.
Die Maßnahmen waren unter medizinischer Betrachtung falsch und überzogen. Konkret wurden wegen sehr weniger Corona-Fälle die vielen anderen Fälle, darunter auch die schweren, vernachlässigt.
Zugegeben habe ich das immer auch gesagt in der Annahme, daß die Krise zum Anlaß genommen wurde, Kehl, Ettenheim und Oberkirch  weiter abzubauen.
Ich gestehe auch ein, im Nachhinein ist man klüger.
Jedoch es war ganz unzweifelhaft immer absehbar, daß dieses Bündel von Maßnahmen die medizinische Versorgung der Ortenau nicht nur medizinisch, sondern auch finanziell empfindlich treffen wird.

Die Internetseite  lädt ein zum Nachdenken.
Ganz ähnlich wie ich werden auch Sie sicher die Zahlen aus Berlin oder Tübingen eingehender betrachten, den bekannt gewordenen Hot-Spots, oder die von Greiz oder Heinsberg.
In jedem Fall ist diese Internetseite auch angetan, Zuversicht zu verbreiten, daß eine Lockerung sehr wohl möglich und durchaus verantwortbar ist.
Wie es die Landes-FDP (… diesen Satz kann ich mir im Blick auf das „Stur“gatter Sozialministerium nicht verkneifen! ) schon seit Beginn des Lock-Down in allen Stellungnahmen gesagt hat.

Ich wünsche Ihnen noch einen erholsamen und sonnigen Pfingstmontag,

Ihr
Karlheinz Bayer

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