Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker aber keine Menschen….

Bei einem wunderschönen (größeren) Spaziergang inclusive Kuckucksrufen hörte ich heute neben Händel-Orgelkonzerten den ersten Teil einer Biografie mit Original-Tondokumenten von Fritz Bauer, er zitierte Hölderlin 1963 in einem Gespräch (das Wort Interview wäre unpassend), in dem es um die bevorstehenden Auschwitz-Prozesse ging. Er war damals Frankfurter Generalstaatsanwalt und ohne sein Engagement hätten diese Prozesse nie stattgefunden.

1961 hat er mit Gerhard Szzesny die Humanistische Union gegründet (in der – das sei in aller Bescheidenheit erwähnt – war ich auch mal im Bundesvorstand). Die Humanistische Union vergibt in der Regel jährlich den Fritz-Bauer-Preis an verdiente Bürger-/Menschenrechtlerinnen oder Bürger-/Menschenrechtler.

Irgendwann hat irgendwer behauptet, es gäbe in ganz Deutschland keine Fritz-Bauer-Straße. Das stimmt aber nicht: In Stuttgart, seinem Geburtsort, ist eine kleine Straße nach diesem humanen, humanistischen, abwägenden und trotzdem engagiert-kämpferischen und  unglaublich eloquenten Mann benannt. Ich hab‘ s mit eigenen Augen gesehen.

 

Hölderlin, Hyperion (67.Kapitel)

„Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?“

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