Es gibt auch noch anderes: Der blinzelnde letzte Mensch, Nietzsche und Georg Simmel

Spazierengehen bildet. Jenseits des gesundheitlichen und ästhetischen Aspekts.  Zu allen Zeiten. Zum Beispiel höre ich bei dieser Tätigkeit gerade eine gute Vorlesung von Wolfgang Welsch über die Geschichte der Philosophie seit 1945. Horkheimer, Marcuse, Adorno, Habermas und so… ein bisschen davon kapiere ich. Und mehr ist nicht nötig.

In dieser Vorlesung zitierte Professor Welsch einerseits den Soziologen Georg Simmel (vor 1945, ich weiß) mit der Frage, wieso sich in der Geschichte der Philosophie so wenig die Leidensgeschichte der Menschheit widerspiegele. Leider konnte ich das Zitat nicht finden. Aber die Frage stellt sich schon und ich reiche sie hiermit weiter.

Was ich aber fand, war ein Zitat von Friedrich Nietzsche (auch vor 1945, ganz bestimmt: ich weiß!). Ohne dass ich genau weiß, worauf Nietzsche damit hinauswill (kriegen wir erst später), ich fand, das Gedicht (ist doch so was Ähnliches?) regt zum Nach- und Weiterdenken an. Egal wie Nietzsche es meinte…   

 

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra (Bd. 1 1883)

„ Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die
letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart
war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt
noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man
braucht Wärme.

Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen
sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der
noch über Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme
Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen
Sterben.

Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unter¬
haltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung
nicht angreife.

Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist
zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch
gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche,
Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in’s
Irrenhaus.

„Ehemals war alle Welt irre“ — sagen die Feinsten
und blinzeln.

Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist:
so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich
noch, aber man versöhnt sich bald — sonst verdirbt
es den Magen.

Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein
Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.

„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die
letzten Menschen und blinzeln.“

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