Erasmus von Rotterdam. Die Klage des Friedens (1517) – Der Soldat und das Vater Unser

Gerade sortiere ich die Unmengen von Sonderdrucken, die Johannes in vielen Jahren bekommen hat. Was ich nicht wegschmeiße, wird an die kirchenrechtliche Abteilung der Universität Tübingen geschickt, wo man freundlicherweise behauptet hat, es gäbe Interesse dafür. Ich weiß nicht so recht. Auf alle Fälle bleibt es mir so erspart, alles eigenhändig in den Papierkorb zu werfen. Bei dieser Arbeit stieß ich auf den Hinweis auf die „grandiose Rhetorik“ in der Schrift „Klage des Friedens“ des Humanisten Erasmus von Rotterdam „so etwa wenn Pax, die Friedensfrau, das Vaterunser, das ein Soldat beten will, kommentiert.. und als eine einzige Lästerung entlarvt.“ (Andreas Flitner, Erssmus von Rotterdam – Lehrer der Humanist, Lehrer des Friedens, Zeitschrift für Pädagogik (1987) 610..  Erasmus schrieb es 1517. Also dem Jahr, in dem Martin Luther seine Thesen nicht an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug (war übrigens mein erstes Referat in meinem Theologie-Studium) oder anders gesagt: vor über einem halben Jahrtausend. Wäre natürlich zu kritisieren, dass die Verantwortung wirklich nicht beim gemeinen Soldaten liegt, der in der Regel ein armes Schwein, selbst Opfer ist. Trotzdem. Ich habe den ganzen Text rausgsucht (mein Dank an Google… achja…es ist alles so kompliziert)… und werde mich in dennächsten Tagen etwas mehr mit Erasmus beschäftigen.         

 

„Wie betet der Soldat in diesen Gottesdiensten das ‚Vater unser‘?

Du harter Mund, du wagst Vater zu sagen, da du deinem Bruder an die Gurgel springen willst? „Geheiligt werde dein Name“ –wodurch konnte der Name Gottes mehr entehrt werden als durch ein solches Ringen zwischen euch? „Es komme dein Reich“ –so betest du, der du durch viel Blutvergießen deine Gewaltherrschaft begründest? „Es geschehe dein Wille, wie im Himmel so auch auf Erden“ –jener will den Frieden und du rüstest zum Krieg? Du bittest den gemeinsamen Vater um das tägliche Brot, der du die Getreidefelder des Bruders verbrennst und lieber willst, dass sie auch für dich nutzlos seien, als dass sie ihm nützen? Mit welcher Frechheit sprichst du das aus? „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“, der du zum Brudermord eilst? Du suchst durch Bitten die Gefahr der Versuchung abzuwenden, der du durch diese für dich bestehende Gefahr den Bruder in sie hineinziehst? Du verlangst, vom Übel befreit zu werden, das dich treibt, dem Bruder das größte Übel zu bereiten? …‘

Kaum ein Friede ist jemals so ungerecht, dass er nicht auch dem gerechten Krieg vorzuziehen wäre.“

 

Der letzte Satz erinnert mich an die Entgegnung eines Generals im Vietnamkrieg, dem man sagte, es ginge schließlich um den Kampf gegen den bösen Kommunismus: „Es gibt schlimmere Dinge als den Kommunismus.“

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