Auf der Suche nach Schuldigen: Impfverweigerer versus Sahnetorte

„Haltet den Dieb“ – wer ruft denn da?

Der Kommentar der niederländischen „Lieblingskolumnistin“ meines Sohnes (er hat ihn auch übersetzt) datiert zwar vom 23. November. Ich möchte ihn trotzdem auszugsweise hier zitieren. Denn er scheint mir zwei Dinge gut auf den Punkt zu bringen:

  1. Journalisten (wie wir alle. Ich schließe da nicht mal mich aus!) neigen dazu, beim anderen die Antworten „rauszukitzeln“, die wir hören wollen. Nach dem Motto „Du bist doch auch der Meinung…“ Im Fall ihres Kollegen über den Frau Zwagerman berichtet, geht das allerdings einigermaßen schief: Der Journalist wollte die Bestätigung, dass die Impfverweigerer an allem Corona-Übel schuld sind. Die hat er nicht bekommen. Die Frage ist, ob ihn das nachdenklich macht oder er sich lieber neue Gesprächspartner sucht, deren Antworten besser in sein Schema passen.
  2. Die Einseitigkeit, mit der mit dem Finger auf die bösen Impfverweigerer gedeutet wird, die als „schwere Fälle“ unweigerlich im Krankenhaus landen, verstellt den Blick auf andere Ursachen „schwerer Verläufe“. Gut, fürs Alter kann man nichts, für manche Vorerkrankungen auch nicht. Aber – und genau das greift die Kommentatorin auf – es gibt eben auch Vorerkrankungen, die das Risiko schwerer Corona-Verläufe begünstigen, die durchaus in eigener Verantwortung liegen: Übergewicht, Rauchen, Bewegungsarmut.

Ich weiß, dass ich das mit der „Eigenverantwortung“ relativieren muss: Übergewicht und niedriger sozialer Status/ Vorbild der Eltern hängen zusammen, Rauchen auch, mal abgesehen davon, dass bis vor gar nicht so langer Zeit die Tabakindustrie den Zigaretten Ingredienzien beimengen durften, die abhängig machten. Bei Bewegungsmangel ist es ähnlich. Und ich bin gespannt, ob es nicht mal bei späteren Übergewichtigen heißt: „Aha, auch so ein Corona-Dickerchen“. (Die Deutschen nahmen während den Lockdowns so viel zu wie 4300 Pottwale wiegen.)

  1. Die Folge: Wenn man „den Schuldigen“, also den Nichtgeimpften ausfindig gemacht hat, ist man entlastet und der Staat nicht minder. Denn dessen unterbleibender Einfluss via Gesetzgebung, ungesunde Nahrung mindestens zu kennzeichnen, dessen Tabaksteuer-Einnahmen (14,3 Milliarden Euro 2019), dessen Kürzungen im Bereich des Schulsports z.B. geraten so außer Blick.
  2. Wenn ganz Deutschland auf dem Tripp ist „die sollen gefälligst ihre Krankenhauskosten selbst bezahlen, hätten sich ja impfen können“ werden die Versicherungen das dankbar aufgreifen – und manche tun das schon: Wieso soll ich für den ungesunden Lebenswandel von X mit meinen Beiträgen blechen. Die wohlfeile Logik bei den „Impfgegnern“ könnte sich also ganz schnell gegen einem selber kehren. Aber – das ist dann natürlich was ganz anderes, nicht wahr!

 

Diagnose Covid: Die Sahnetorte schmeckte nicht mehr.

Nun zu Marianne Zwagerman: Aufkleberfrei (übersetzung: Joachim Neumann)

… Der Journalist verfolgte ausschließlich eine Absicht: Die Zuschauer davon zu überzeugen, dass sie sich impfen lassen müssten. In seinem mit stimmungsvoller Musik unterlegtem Film geht er auf die Suche nach Kronzeugen. Einigermaßen erfolglos.

Der Arzt erklärte ihm, dass die große Mehrheit der Coronapatienten geimpft sei. Die zwei Frauen, die seit Wochen im Krankenhaus liegen sind zweifach geimpft. Der ungeimpfte Mann liegt erst seit einem Tag aus einem anderen Krankheitsgrund, wurde aber positiv getestet… Daraufhin versuchte es der Journalist bei den Krankenpflegern. ‚Die Ungeimpften hätten sie doch sicher am liebsten nicht hier, oder? Denken Sie nicht: Hier ist nun wieder so einer wegen dem ich so hart schuften muss?‘ ‚Nein, überhaupt nicht. Ich pflege aus Leidenschaft,‘ versicherte ihm der Pfleger.

Der Reporter gab noch nicht auf: ‚Aber vermutlich denken Sie doch: Der hätte hier nicht liegen müssen. Wäre er nicht hier, hätte ich weniger Stress.‘ „Dass können Sie über alle sagen, auch über Menschen, die zu viel essen,“ konstatierte der Pfleger. Denn die vollständig geimpften Damen sind hoch adipös und erfüllten somit ein Kriterium vieler Patient*innen mit schweren Verläufen – bekommen aber keine kritischen Fragen über ihre Lebensentscheidungen. Selbst dann nicht als die eine Patientin eine Steilvorlage gab: Ihr fiel erst auf, dass sie Corona haben könnte, als sie ihre Sahnetorte nicht mehr schmecken konnte. Dass sie die Torte mal besser weggelassen hätten, blieb unerwähnt.‘“

 

Wissenschaftliche UnterFÜTTERUNG:

Hochwissenschaftlicher und aktueller Nachtrag aus der Ärztezeitung vom 10.12.21:

Verursachen Coronaviren im Fettgewebe schwere COVID-19 bei Adipositas?

„[…] Das Team hat Gewebeproben von adipösen Menschen mit und ohne SARS-CoV-2-Infektion untersucht sowie von Adipositas-Patienten, die an COVID gestorben waren. Nach den bisher noch nicht begutachteten Daten sind Adipozyten und Gewebe-Makrophagen Ziele der Coronaviren im Fettgewebe, wo sie sich replizieren. Zudem fanden die Forscher Belege dafür, dass bei der Infektion inflammatorische Zytokine im Fettgewebe gebildet werden. Die überschießende Immunreaktion, getriggert von Zytokinen, ist bekanntlich Ursache für schwere COVID-Verläufe. Das Coronavirus scheint die begrenzte Immunabwehr des Fettgewebes zu umgehen, sich dort einzunisten und von dort die generalisierte Inflammation zu befeuern, kommentiert Professor David Kass von der Johns-Hopkins University in Baltimore die Studiendaten in der „New York Times“. Er gibt zu bedenken, dass Fettgewebe das größte Organ im Körper von Menschen mit Adipositas ist.“

Wissenschaftliches Institut der AOK: „Ein Drittel der Erwachsenen hat beim Gewicht zugelegt“

Und noch was Bedenkenswertes: Der Ärztliche Nachrichtendienst https://www.aend.de/article/215800 vom 15.12.21 berichtet von einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) (hier können Sie den vollständigen Bericht lesen)

Ein Drittel der Erwachsenen hat beim Gewicht zugelegt“

Gefragt wurde auch nach Veränderungen des eigenen Gesundheitsverhaltens seit dem Beginn der Pandemie. Hier zeigen sich demnach die deutlichsten Effekte bei der Mediennutzung: So gaben 26,7 Prozent der Befragten an, dass ihr Konsum von Fernsehen, Filmen und Videos seit Beginn der Pandemie zugenommen habe. Entsprechendes gilt für Computerspiele sowie generell für die Nutzung des Internets.

Eine leichte Zunahme zeigt die Befragung auch beim Rauchen und beim Konsum von Cannabis-Produkten. Ebenfalls intensiviert hat sich die Einnahme von leistungssteigernden oder beruhigenden Arzneimitteln.

Beim Alkoholkonsum sind hingegen eher gegenläufige Tendenzen zu beobachten: Von den 82,6 Prozent, die Alkohol trinken, gaben 10,2 Prozent einen erhöhten Konsum seit Beginn der Pandemie an – aber gleichzeitig 20 Prozent einen Rückgang.

Mehr als ein Drittel der Erwachsenen (35,3 Prozent) erklärte laut Umfrae, seit Beginn der Pandemie beim Gewicht zugelegt zu haben. Bei diesen Personen gab es nach deren Angaben eine deutliche Gewichtszunahme von durchschnittlich 6,9 Kilogramm.

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