Ärzte fordern Politik zum Lockdown für berufstätige Mütter auf

Zugegeben: das war 1961. Aber ich finde es immer wieder hilfreich, sich bewusst zu machen, wie wenig Zeit vergehen muss, um zu sehen, dass aus der Wahrheit von gestern der Irrtum von heute geworden ist, um sich bewusst zu machen, wie die ExpertInnen Unsinn produzier(t)en, über den wir nur noch den Kopf schütteln können. So  wie unsere Nachfahren den Kopf schütteln werden über vieles, was heute als „gesicherte Erkenntnis“ gilt. Es ist aber ein Unsinn, der  für viele Menschen Konsequenzen hatte, hat, haben wird.     

Dieser Frage nachzugehen, ist ein bisschen mein Hobby, 1994 habe ich sogar ein Büchlein dazu verfasst:  „Ohne Jeans und Pille – als ‚man‘ noch heiraten musste“ (Gibt es – by the way – immer noch antiquarisch). Daraus stammt der folgende Ausschnitt aus der Eröffnungsrede für den 64. Deutschen Ärztetag von Professor Dr. med.  Kirchhoff  (Ärztlichen Mitteilungen 46,1961,1304-1311.1310f.). Kirchhoff gehörte übrigens zu den progressiveren seiner Zunft.

 

„Die vornehmste und höchste Aufgabe im Leben der Frau bedeutet die Erfüllung der Mutterschaft. Durch zu frühzeitig einsetzende Erwerbstätigkeit… können reparable, aber auch irreparable Schäden an den Geschlechtsorganen entstehen. Zum Zeitpunkt der Menstruation und der Schwangerschaft wird eine herabgesetzte Widerstandsfähigkeit gegen physische und psychische Belastungen beobachtet. Folgerichtig muß daher für die Verantwortungsträger einschließlich des Arztes das oberste Ziel sein, die Fortpflanzungsfähigkeit erhalten helfen, sollen nicht Familie und Volk ernsten Gefährdungen entgegengehen… Ich stelle … in meinem Referat…nur einen einzigen Punkt zur Diskussion, der eine ungewöhnlich harte, vielen von Ihnen utopisch klingende Forderung beinhaltet, der aber auf lange Sicht mit gutem Willen, mit eiserner Energie, mit vornehmer Toleranz im wahrsten Sinne des Wortes sine ira et studio, d.h. in unserem Falle ohne einseitige Interessenkämpfe und ohne parteilichen Hader, eine echte Erfüllung erfahren kann. Er lautet folgendermaßen: Eine Mutter mit Kindern bis zu 15 Jahren gehört nicht in eine außerhäusliche Berufsarbeit; ihre Aufgabe ist es, die Hüterin der Familie zu sein.“    

Was will ich damit sagen? Wir alle (ich übrigens auch!) können uns irren, werden uns irren und wir alle (auch ich!) sollten vorsichtig mit unserem „Expertenwissen“ umgehen. Denn es hat Konsequenzen. Im Falle von Professor Kirchhoffs Forderung: Als ich zwanzig Jahre später selbst Kinder hatte und berufstätig blieb, wurde ich durchaus mit dem impliziten oder expliziten Vorwurf „Rabenmutter“ konfrontiert. Ich möchte nicht wissen, bei wie vielen Frauen die  „Expertenmeinung“ (Ärzte, Theologen, Juristen, Pädagogen) dazu führte, dass sie wirklich ihre Berufstätigkeit aufgaben. 

Eine  bestehende gesellschaftliche Einstellung wirkt auf die „Experten“, die wissenschaftliche Legitimierung der Ideologie durch diese „Experten“ wirkt zurück auf die Gesellschaft und das „Moralische“ geht eine glückliche Ehe mit dem „wissenschaftlich Erwiesenen“ ein….  

Wie komme ich bloß gerade auf dieses Thema? Keine Ahnung.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.