Manche lernen’s nie: die deutschen „fortschrittlichen“ KatholikInnen und der Vatikan

Ich könnte auch schreiben: die Dummen sterben nie aus.

Es ist einzig meiner theologischen Vergangenheit geschuldet, dass ich mich ab und zu hier noch mit der katholischen Kirche beschäftige – oder besser gesagt: mit christlichen Kirchen überhaupt. Gäbe es diese Vergangenheit nicht, würde ich den aktuellen Konflikt zwischen dem Vatikan und sich progressiv wähnenden deutschen KatholikInnen vermutlich gar nicht zur Kenntnis genommen haben.

Wie bedeutungslos das Ganze für die heutige Gesellschaft ist, wird schon daran deutlich, unter welcher Rubrik der Spiegel-ArtikelKatholische Kirche: Synodaler Weg – Deutsche Katholiken beharren auf Reformplänen“ steht. Nämlich unter „Panorama“, das ist die Rubrik, in der man informiert wird über Vorkommnisse in Königshäusern, die Rettung einer Entenfamilie auf der Autobahn oder „70-jährige übergibt Gold und Bargeld an falschen Polizisten“– Letzteres ist die Meldung, die sich unmittelbar an die vom Zoff um den Synodalen Weg anschließt.

Worum geht es?

Kurze Zusammenfassung des Konflikts: Deutsche KatholikInnen verwenden (oder verschwenden?) kostbare Zeit ihres Lebens darauf, die römisch-katholische Kirche reformieren zu wollen: Sie hätten sie gern demokratischer, frauenfreundlicher und was weiß ich. Der Vatikan ist dagegen.

Schon neulich hatte Papst Franziskus – wer Ohren hat zu hören, der höre (Mk 4.9) – In Richtung Deutschland unmissverständlich gesagt: man habe bereits eine evangelische Kirche und brauche keine zweite.

Gut, und jetzt kommt ein amtliches Dokument aus dem Vatikan. Das trägt zwar weder Unterschrift noch Datum, wird aber trotzdem merkwürdigerweise ernst genommen. Wohingegen die fehlende Unterschrift deutlich macht, wie wenig ernst man die Synodalen Bestrebungen nimmt. Ehrlich gesagt: anonyme Zuschriften kommen bei mir in den Papierkorb.

Auf alle Fälle verweist dieses Dokument die hehren Pläne der – sogenannten – Progressiven (die Messlatte um dazu zu zählen, hängt im katholischen Raum vergleichsweise niedrig) ins Reich der Träume.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, reagiert trotzig: „Unsere nächste Synodalversammlung findet planmäßig vom 8. bis 10. September 2022 in Frankfurt am Main statt.“ Da widerspreche ich nicht. Aber – bitteschön – wozu?

Es gab mal eine Zeit – leider Gottes – dann nannte man das Parlament eine „Schwatzbude“. Ich denke diese Bezeichnung passt gut für die Synodalversammlung: Man darf etwas Dampf ablassen, große Pläne schmieden, Visionen entwerfen. Und dann geht man nach Hause, fühlt sich bedeutend – und alles bleibt wie vorher.

Es gibt einen Punkt, da schlägt Leidensfähigkeit in Lächerlichkeit um.

Die Erklärung aus Rom habe ihr gezeigt, dass ein persönlicher Austausch zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Präsidium des Synodalen Wegs »überfällig« sei, sagte Stetter-Karp. Der Vatikan hat ein solches direktes Gespräch mit ihr aber bisher verweigert.“

Und jetzt? Nachdem das vatikanischen Schreiben klarstellt, dass die Vollversammlung der Synode in Deutschland nicht befugt“ sei, neue Formen der Leitung und eine neue Ausrichtung der katholischen Lehre und Moral zu entwickeln? Da gehen die vatikanischen Herzen und Türen plötzlich auf und der rote Teppich der Gesprächsbereitschaft wird ausgerollt? Wovon träumt die Dame nachts?

Man sollte wissen, wann es nichts mehr zu gewinnen gibt. Frau auch. Irgendwann schlägt Leidensfähigkeit in Lächerlichkeit um.

Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke bringt es auf den Punkt – so berichtet der Spiegel-Artikel:

Laien seien für Rom ohnehin keinen der Verhandlungs- oder Gesprächspartner: »Das kann man weltfremd, arrogant, missachtend oder unverschämt finden, aber man sollte wissen, dass es katholisch ist«.

Man fragt sich, ob der Kirchenrechtler aus dieser Erkenntnis irgendwelche Folgerungen ableitet.

 

Ein Kirchenrechtler 1977 im Abschiedsbrief an den Bischof – nichts Neues unter der Sonne

Apropos Kirchenrechtler: Da gab es schon mal einen. Der hat aus seinen Erkenntnissen tatsächlich Folgerungen abgeleitet und gab 1977 seine kirchliche Lehrerlaubnis zurück. Dem Bischof gegenüber begründete er das unter anderem wie folgt:

„[…] Nach jahrelanger und gründlicher Überlegung habe ich mich entschlossen, dem Kultusminister von Baden-Württemberg, Herrn Professor Dr. W. Hahn davon Kenntnis zu geben, dass ich mich nicht mehr in der Lage sehe, meine wissenschaftliche Arbeit an der Universität Tübingen im Auftrag der römisch-katholischen Kirche fortzusetzen.

Dies aus folgenden Gründen: nach meinen langjährigen und bislang von kritischem Glauben geprägten Erfahrungen verhindert das System der römisch-katholischen Kirche nicht zuletzt durch die gesetzlich verordnete Gehorsamspflicht gegenüber dem kirchlichen Lehramt, dass die […] zutage tretenden Probleme sachgerecht erforscht, angemessen besprochen, menschlich beurteilt und die gewonnenen Erkenntnisse auch ehrlich und verantwortlich ausgesprochen werden.

Das kanonische Recht zeigt mit harter Deutlichkeit sowohl den Machtanspruch als auch die prinzipielle Unwandelbarkeit des katholischen Systems.[…] Dabei werden die Unterwerfung unter den gesetzlich verordneten und psychologisch tiefgreifenden Zwang ebenso wie die Aufgabe der personalen Verantwortung als Demut gepriesen, obwohl sie tatsächlich meist die Selbstentfremdung der solchermaßen sich Demütigenden bewirken. […]“

 

Wie gesagt, dass war  1977 und der es schrieb hieß Johannes Neumann – und ich war mit ihm bis zu seinem Tod 2013 verheiratet. Das macht es vielleicht (neben meiner eigenen katholisch- theologischen Vergangenheit) nachvollziehbar, dass ich an dieser Stelle dem äußerst befriedigenden Gefühl  nachgebe, „recht gehabt zu haben“  Aber damit soll genug sein – und alter Tradition entsprechend schließe ich mit einem Bibelzitat: Matthäus 8.22.

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