Ein Heimkehrer berichtet: Zurück aus den USA. Und überall Merkwürdiges.

Ein Freund von mir ist früher als gewollt aus den Vereinigten Staaten zurückgekommen. (Warum eigentlich? …….. Hm…. Achja!) Er hat mir erlaubt, seinen E-Mail-Bericht hier zu veröffentlichen.

Liebe an und zu meinem Rückflug anteilnehmenden Freunde und Freundinnen,

…..So, nun etwas konkreter: ich war in den USA elektronisch vergleichsweise gut vernetzt und bekam sogar über den Google-Adaptor oder wie man/frau das nennt, automatisch (!) einzelne Nachrichten aus [Deutschland], all meinen US-Aufenthaltsorten und von meinen Interessen (Ultralauf, Politik, immer so halb mit Werbung versetzt): weil ich den örtlichen Zugriff erstmals und nur für die Zeit dort auf meinem US-Handy „erlaubte“, das war eine unglaubliche (und verführerische) Erfahrung. Ich bildete mir also ein, ziemlich genau mitzukriegen, was sich in Europa bzw. good old Germany abspielte. Aber das stimmte nicht, wie ich gestern eingestehen musste: meine Eindrücke sind, schon seit dem letzten der vielen Zwischenstopps in London, doch sehr viel „nachhaltiger“, viel „atmosphärischer“ und eindrücklicher: die Realität der „italienischen“ und elsässischen Verhältnisse (gerade das mit der Triage, wiewohl theoretisch mir nachvollziehbar) hatte ich nicht so dramatisch, drastisch verstanden, wie es ist.

Das hat Trump natürlich sowieso auch nicht („he just has no compassion whatsoever“, „he is a thug“, „just look at him“ – so lauten die für mich auch nachvollziehbaren Kommentare meiner Freunde beim täglichen TV-Auftritt des Präsidenten). Aber es geht ja um die overwhelming impression, wie die vorherrschende Meinung dort in den USA auch entsteht und vorherrscht (und die Trump mit seinem Bauchgefühl ja teilbedient – er wirkt dabei wie einer, der immer etwas hinterher hinkt, aber kein eigenes Verständnis von den Dingen hat). Eher haben es die meisten Governors in den einzelnen Staaten verstanden , wie ernst die Situation mit den zu erwartenden Todeszahlen unter den Alten und „Schwachen“ sein werden, allen voran Cuomo (NY) und Gretchen Whitmer (Michigan), Inslee (Washington), Pritzker (Illinois) und der von Louisiana (forgot his name). Die stehen auch quer zu den Feds (sprich „my administration“ = Trump).

 Die Chance, die sich bei Trumps offensichtlichem sich wiederholendem Unverständnis für die Situation (weil er alle kompetenten Berater gefeuert hat und in seiner Umgebung keiner ihm mehr die Wahrheit mehr sagt: des Kaisers neue Kleider wird immer wieder drüben – wo das Märchen keine Allgemeinverbreitung hat – von klugen Leuten gesagt) bietet, ist auch die Hoffnung seiner Gegner, was die kommenden Wahlen im November betrifft. Dabei ist auch schon in der Presse „widespread“ – also auch in den regionalen Presse – die Diskussion entbrannt, ob erstmals in der Geschichte der USA die Wahlen verschoben werden können und wer Präsident/in würde, wenn nicht gewählt wird – mit Blick auf die Verfassung wäre es jedenfalls nicht mehr Trump.

 

Ich bekomme – inzwischen auch auf mein deutsches Handy – die tägliche New York Times-Kurzzusammenfassung des Tages, hochinteressant und anders (nuanciert und im Detail anderes bringend) als es z.B. die Tagesschau (im Netz) tut.

 

Gestern stand ich um 2 Uhr Ortszeit auf, gab mein dreckig gewordenes Mietauto zurück, war zu früh dort, hätte wie beim innerdeutschen Flug auch 50 min. vorher gereicht.! Flog dann im Dunkeln los (quer über die besiedelte Städtelandschaft von SeaTac = Seattle-Tacoma nach -> San Francisco (leeres Flugzeug, 3 Leute außer mir, bekam diesen Flug der Alaska Airlines von meiner ansonsten nicht mehr sichtbaren Icelandair zugewiesen). War ein toller Flug, bei Sonnenaufgang über San Francisco zu landen… my old town! Ich sah die klein erscheinende Golden Gate-Brücke, die – wie ich doch von meinem Trail-Lauf Anfang Februar des Jahres sehr eindrücklich weiß – in Wirklichkeit ja riesig groß ist! Die Kontrollen (keine Passkontrolle, nur übliche Gepäckkontrolle etc.) waren eher normal, nix Temperatur oder woher kommst Du oder so… Immerhin ja Seattle, wo „alles anfing“ in den USA und wo die Todesfälle im Pflegeheim Kirkland, nicht weit vom Flughafen, für Schrecken sorgten.

Dann von San Francisco weiter mit ebenfalls leerem Alaska Airline-Flug nach Washington, D.C., wo die Sache allerdings anders wurde: der dort mit allen Nationalitäten ohne US-Amerikaner allerdings zusammengestückelte United Airlines-Flug war Schulter-an-Schulter gefüllt, sozusagen die versprengten letzten Mohikaner wurden nach Europa verschifft… Und obwohl mich – wohl auch auf Meldung von Icelandair – das Boris Johnson’sche Foreign Office der Briten mit einer eMail anschrieb, ich solle mich über die Einreiseberechtigung in das United Kingdom auf seiner Website vor dem Flug informieren, gab es keine Kontrolle bei der Ausreise wie sonst: das wurde mir erspart, wohl weil ich von Seattle kam – wo es aber keiner gemacht hatte, da ich ja nur nach San Francisco – innerstaatlich – flog. Solche kleinen Lücken freuen mich immer. Es gibt sie also noch bzw. immer wieder.

Der Flug bescherte mir ein United Airlines-Mittagessen, das ich bei Icelandair aus Kostenersparnisgründen nicht gebucht hatte. Sogar ein Bier vorm Einschlafen bekam ich kostenlos, sogar von diesen prohibitiven US-Amerikanern… Das Schlafen war im Sitzen natürlich mühsam, neben mir ein freundlicher und deutlich dickerer Brite.

Ankunft in London-Heathrow: fast ohne geöffnete Shops, offen war nur WHSmith (Bücher, Knabberzeug, Getränke), komische Atmosphäre. Ruhiges Warten von vielen Leuten, die entweder auf dem Boden oder auf den Sitzen von Starbucks, anderen Kneipen etc. saßen, wo Du sonst nur sitzen konntest, wenn Du „verzehrtest“. Aber es war deutlich weniger als sonst, und wenig Lautsprecheransagen, die deutlich zusammengestrichenen Flüge wirkten sich aus. Es gab wohl von Heathrow (!!) nur 4 Flüge insgesamt nach Deutschland am gestrigen Tag! Sonst doch geschätzt 80-100!

Komischerweise musste ich da nochmal durch die Sicherheitskontrolle (blieb mir in San Francisco und Washington erspart), aber auch wieder musste ich keinen Pass zeigen… das musste ich erst bei der Einreise in Berlin bei den Deutschen, da ich ja aus dem (ist’s noch EU oder nicht?, no!, aber irgendwo doch etwas, oder?) Nicht-EU-Ausland kam. Aber ich zeigte nur meinen Perso: das reichte dem jungen Bundesgrenzschutz-Beamten. Keiner fragte mich, wo ich her kam, keiner sagte was wegen Risikogebiet (das ist Seattle ja offiziell aus Sicht des Robert-Koch-Instituts); keiner sagte was von Quarantäne oder überhaupt irgendwas.  

In Berlin-Tegel war zwar nix los, aber sie hatten wohl nur einen Bus, um uns Passagiere vom Flugfeld abzuholen: wir wurden wie die Heringe da hineingequetscht: es war wie bei einem Rock-Konzert: alle ganz eng und warm beieinander! Keiner sagte was, alle dachten wohl dasselbe, I assume… Von einem Freund hörte ich, dass der Flughafen Tegel in 2 Tagen ganz geschlossen würde (und dann wohl nie wieder aufmachen wird, so die Mutmaßung). So hilft die Krise auch, manche Entscheidungen still und vielleicht leise flott durchzukriegen, die ansonsten hoch umstritten waren: so gab es ja einen Bürgerentscheid (initiiert von der Berliner FDP) über den Fortbestand des auch für mich immer praktisch nahe gewesenen innerstädtischen Flughafens.

Bei der BVG (Städtischer Bus zum Hbf.) sparte ich mir – wie alle anderen auch – den Fahrkartenkauf, neu war mir, dass nur hinten einzusteigen war: not so in the U.S. Bei der DB kaufte ich brav ein Ticket nach XY: da kam tatsächlich dann auch ein freundlicher Schaffner, gottseidank hatte ich meine Karte also – ich hatte in der US-Zeit von Gerüchten gehört, es gebe keine Schaffner mehr in den gespenstisch leeren Zügen der DB. Die DB beeindruckte mich tatsächlich mit ewig langem Zug für die wenigen Reisenden; warum? Das wäre doch mal die Chance, die Bremsen, das Wifi, die Toiletten, die Heizungsanlage bzw. Belüftung mal auf Vordermann zu bringen: das ist jetzt böse, ich weiß, aber ich wundere mich und denke, ist die DB nicht mal so flexibel, die Zuglänge zu adaptieren? Dass sie das nicht kann, wenn Bedarf ist (wenn also Hochbetrieb ist), das ist ja bekannt und liegt vielleicht daran, dass sie zu wenige Wagons besitzt, dachte ich immer. – Auch war der Zug 10 min. zu spät: das funktioniert also auch weiterhin verlässlich. In den USA ist eigentlich immer alles pünktlich, Flugzeuge, Zimmerreinigung im Hotel, Öffnungs- und Schließzeiten der Parks etc. – nur die sog. Briefings aus dem Weißen Haus sind unpünktlich, eben dann wenn der big master meint, jetzt ist’s Zeit. Dann bedanken sich erstmal alle beim Mr. President – für was eigentlich?

 

 

 

 

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