Alles wird teurer, nur die Ausreden werden billiger – aktuelle Gedanken zur Deutschen Bahn

Stimmt ja gar nicht: es gibt ja das 9 € Ticket. Unschlagbar billig!

Das ist wahr, aber inzwischen habe ich den Eindruck, das mit dem 9 €-Ticket ist nur ein Trick: Es dient als uns allen einleuchtende Ausrede. Denn damit kann man alles rechtfertigen, was bei der Bahn nicht klappt!
Stimmt auch nicht! Die Zahl der Ausreden ist deutlich länger!

Was ich in den letzten Wochen an Horrorerzählungen gehört habe über verspätete, ausgefallene, umgeleitete Züge, lässt mich mit dem Gedanken spielen, ob es nicht sinnvoll wäre, Bahngeschädigten ein paar Stunden Psychotherapie anzubieten. Das müsste doch im Bundeshaushalt noch drin sein!

Es geht nicht um Verspätungen von – sagen wir mal – 20 Minuten. Wir sind ja inzwischen tolerant. Sondern es geht darum, dass man in Frankfurt auf dem überfüllten Bahnsteig steht, keiner Ansage kommt und man schließlich kurz vor Mitternacht zu Hause ist – geplant war 19:00 Uhr.

 

Einfallsreiche Ausrede: Die abgeschriebenen Räder der Schwarzwaldbahn

Ich google Schwarzwaldbahn, aus gegebenem Anlass. Diese fährt – mindestens heißt es so im Fahrplan – stündlich von Karlsruhe nach Konstanz.

zunächst stoße ich auf eine Meldung von Januar :  

Baden-Württemberg: Zugausfälle auf der Schwarzwaldbahn

„Die Deutsche Bahn (DB) fährt in aktuell angespannter Corona-Lage für die Fahrgäste auf der Schwarzwaldbahn einen vorübergehend reduzierten, aber verlässlichen Grundfahrplan. Auch wenn der Krankenstand bei Lokführer:innen erhöht ist, hält DB Regio für Fahrgäste von Mittwoch, 2. Februar 2022, bis voraussichtlich Sonntag, 6. März, einen Zweistundentakt aufrecht.“

Aha, Corona! Wenn es Corona nicht gäbe, man müsste es erfinden.

 Aber mich interessiert was Neueres und schließlich finde ich die Meldung 18.03.2022

Eine gewisse Abnutzung der Räder eines Zuges durch die Berührung mit den Schienen ist normal. Bei der turnusmäßigen Untersuchung der Doppelstockwagen der Schwarzwaldbahn ist nun aber laut Angaben eines Sprechers der Bahn festgestellt worden, dass die Abnutzung an den Rädern der Wagen über das normale Maß hinausgehe und ein Sicherheitsrisiko darstelle.“

So so! Das ist ja nun eine völlig neue Erkenntnis, dass auf der kurvigen Schwarzwaldstrecke die Räder etwas mehr beansprucht werden als in der norddeutschen Tiefebene. Wie machen das bloß die Schweizer?

Und was lese ich ein Vierteljahr später, nämlich am 24.06.2022?

Veränderter Fahrplan auf der Schwarzwaldbahn Offenburg–Konstanz

„Die Deutsche Bahn hat bei turnusmäßigen Untersuchungen der Doppelstockfahrzeuge der Schwarzwalbahn in den vergangenen Tagen erneut eine erhöhte Abnutzung an den Rädern festgestellt. Für den aktuellen Fahrplan zwischen Offenburg und Konstanz stehen daher weniger Fahrzeuge zur Verfügung. Ab Samstag, 25. Juni 2022, fahren die Züge von DB Regio zwischen Offenburg und Konstanz alle zwei Stunden.“

Also weiterhin eine Einschränkung um 50 %!

Das 9 € – Ticket kann jetzt wohl nicht für die erhöhte Abnutzung haftbar gemacht werden. Corona taugt auch nicht so gut. Aber immerhin: wie wär‘s mit dem Ukraine- Krieg oder dem Lockdown in Shanghai („Sie haben ja keine Ahnung, wie schwierig es ist, neue Räder für die Waggons aufzutreiben!“)

 

Von Berlin nach Stuttgart mit der Bahn. Wer macht denn aber auch sowas! – aktuelle Fortsetzung

Soweit die Vorgeschichte bis heute.

Um 11:52 Uhr schrieb mir mein Sohn: „Liebe Grüße aus Berlin! Wir drehen jetzt noch mal eine Runde und steigen dann um 14:00 Uhr in den Zug.“

Um 12:03 Uhr antwortete ich „Dann wünsche ich Euch, dass es wirklich ohne Komplikationen geht, die Deutsche Bahn ist im Augenblick anscheinend wirklich für Horrorgeschichten. Aber ich drück Euch die Daumen.“

Da kann ich nur mit Goethe sagen „Du ahnungsvoller Engel du“: um 13:53 Uhr erhielt ich obigen Screenshot:

„Zug fällt aus … wegen Feuerwehreinsatz auf der Strecke…“

Ich vermute bei Stuttgart-Feuerbach, man kann ja gar nicht vorsichtig genug sein.

 

Abschluss: Wer wird sich denn über solche Kleinigkeiten echauffieren!

Ich telefoniere mit meiner Tochter. Über mehrere Jahre stieg sie in Offenburg in den Zug und in Köln aus. Jedes Mal stand auf der Anzeigetafel: „heute mit geänderter Wagenreihung“. Wir überlegten, ob es auch nur ein einziges Mal gegeben hätte, wo die Wagenreihung so war, wie eigentlich vorgesehen. Wir waren uns sicher: nicht ein einziges Mal!

Ach je, inzwischen kann ich angesichts solcher Kleinigkeiten nur sagen: „meine Sorgen möchte ich haben“ – und andere sehen das vermutlich ähnlich.

15:38 Uhr bekomme ich die Mitteilung, man säße jetzt in einem Zug der angeblich direkt nach Stuttgart fahren würde. Wie kann man nur so leichtgläubig sein?

 

Kommentare

  1. David Neumann
    26. Juni 2022

    Hier noch mal der detaillierte Originalbericht:
    Ursprüngliche Abfahrt des ICEs von Berlin Hbf nach Stuttgart war 14:06 Uhr. Wir wollten jedoch in Spandau zusteigen. Auf dem Weg dorthin kam dann die lapidare Nachricht über die DB-App, dass der Zug ausfällt (aber immerhin: die Nachricht kam), worauf wir dann an der Jungernheide ausgestiegen und zum Hbf gefahren sind, weil wir uns dort bessere Chancen ausrechneten weiterzukommen.
    Wir hatten gottseidank 1. Klasse-Tickets (was wir normalerweise nicht haben) und eine Sitzplatzreservierung. Diese Umzubuchen funktionierte jedoch weder online noch am Schalter, was natürlich irgendwie auch nachvollziehbar war, denn wir waren ja nicht die einzigen mit diesem Anliegen. Wir begaben uns also auf Gleis 13, von wo der nächste ICE in Richtung Mannheim abfahren sollte und waren dort natürlich bei weitem nicht die einzigen. 5 Minuten nach der geplanten Abfahrt dieses Zuges wurde das Gleis geändert: Alle begaben sich zu Gleis 4 und starrten gebannt auf die Anzeige… Kurz bevor der Zug einfuhr wurde das Gleis noch mal gewechselt, allerdings bedeutete „Gleis 3“, das wir uns lediglich umdrehen mussten. Dann fuhr der Zug ein. Allerdings mit entgegengesetzter Wagenreihung als auf der Anzeige und in der App angezeigt. Da dieser Zug mittlerweile schon eine Verspätung von 15 Minuten hatte war klar, dass wir unseren Anschlusszug in Mannheim nicht erreichen würden. Wir beschlossen daher den Zug eine Stunde später zu nehmen, da dieser dann durchgehend wäre. Wieder im Reisezentrum, wo wir dank meines kürzlich erworbenen BahnComfort-Status nach 10 Minuten dran kamen und erfuhren, dass der Direktzug um 15:29 bereits ausgebucht sei, aber wir gerade noch die letzten Plätze im Zug um 16:31 nach Mannheim bekommen könnten. Die nahmen wir, entschlossen uns dann aber dennoch im Zug um 15:29 Uhr unser Glück zu versuchen. Wir hatten Glück: In der 1. Klasse gab es tatsächlich noch zwei nicht reservierte Plätze.
    Zwei Stunden später in Leizpig dann die Durchsage: Aufgrund eines Böschungsbrandes müssen wir einen Umweg fahren und werden eine Verspätung von (weiteren) 45 Minuten aufbauen. Ich meinte daraufhin trocken zu unserer Sitznachbarin, dass so immerhin die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir nicht nur 25%, sondern 50% der Fahrtkosten zurückerstattet bekommen…

    Das ist der aktuelle Stand… aber noch sind wir lange nicht am Ziel…

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