Wer oder was blockiert die Inzidenz-Verfolgung. Bloß ein Skandal oder kriminell?

Am 16.3. berichtete ich, dass die Gesundheitsämter auch bei einer um zwei Drittel gesunkenen Inzidenz nicht in der Lage waren, die Infektionsketten auch nur ein bisschen besser nachzuverfolgen. Das Programm „Sormas“ könne nur von wenigen Gesundheitsämtern verwendet werden. Mit der Folge: „Aufklärung der Treiber von Inzidenzen ist Voraussetzung für mehr Mikromanagement und den Verzicht auf simple und unspezifische Lockdown-Maßnahmen.“ Es wird dann üblicherweise auf die „diffuse Lage“ verwiesen.

Heute nun ein Bericht auf Tagesschau.de  bei dem man sich wirklich nur noch an den Kopf greifen kann (empfehle unbedingt die vollständige Lektüre aber versehen mit dem Warnhinweis „bitte halten Sie Blutdrucksenker oder Beruhigungsmittel bereit.“):

Derzeit ist es so:

„Um die Coronafälle an das RKI zu melden, müssen Mitarbeiter daher jeden einzelnen Namen aus Sormas per Hand in das SurvNet-Programm übertragen: Name für Name, Straße für Straße. Jede Angabe zu einem positiven Corona-Fall müssen sie noch mal abtippen.“

Das Bundesgesundheitsministerium hatte für die flächendeckende Einführung offenbar kein umfassendes Konzept aufgestellt. Helmut Krcmar von der TU-München, der selbst zwei Gesundheitsämter in Bayern bei der Einführung betreut, spricht von einem „Anfängerfehler, der nicht passieren darf“… Gemeinsam mit der Björn-Steiger-Stiftung hatte Sax dem Bundesgesundheitsministerium im vergangenen Jahr sogar ein entsprechendes Konzept vorgestellt. Etwa acht Millionen Euro würde demnach ein „Roll-Out“ kosten. Umgesetzt wurde das Konzept jedoch nicht. Sax kommentiert das recht diplomatisch: „Ich würde mir wünschen, dass das Bundesgesundheitsministerium ein bisschen mehr Verantwortung übernimmt.“

Der Skandal im Skandal

Das ist ein Skandal. Aber ein Satz aus dem Bericht wäre mehr als ein Skandal, wenn er wahr wäre: „Hinter vorgehaltener Hand erzählen Insider, das RKI versuche Sormas zu boykottieren, das neue Programm werde dort offenbar als Konkurrenz gesehen.“

Wenn das stimmt, dann ist das kriminell! Da wird uns dauernd gesagt, wie ungeheuer wichtig es zur Bekämpfung von Corona wäre, die Infektionsketten nachzuverfolgen. Und deshalb wird jede(r) Infizierte, der/die  dem Gesundheitsamt nicht alle Kontakte meldet, in die Nähe eines potentiellen Omamörders gerückt, mindestens aber mit dem Etikett ‚verantwortungslos‘ versehen. Wir kriegen Schimpfe von Frau Merkel & Co., wenn wir uns mit mehr Personen treffen als erlaubt, wenn wir eine Urlaubsreise erwägen, wenn wir uns nicht permanent die Hände waschen und Abstand halten.

Aber die Herren und Damen vom RKI pflegen womöglich ihre kleinen Präferenzen und wollen keine Konkurrenz!

Entweder es erfolgt ein wirklich glaubhaftes Dementi oder das ist eine Sache für den Staatsanwalt. Da wurden in der letzten Zeit schon für ganz andere Sachen Strafbefehle erteilt.

Unfähigkeit der Politik und des RKI ist das eine – wenn dann noch dazukommt, dass der eigene Vorteil, Eifersüchteleien, Kompetenzgerangel wichtiger sind als der gemeinsame Kampf gegen das Virus, dann bleibt doch zuhause mit eurem „jedes Leben zählt“.

Übrigens: heute erhielt ich ein Schreiben unserer fürsorglichen Obrigkeit mit folgendem Inhalt:

Auf Weisung des Sozialministeriums hat der Ortenaukreis heute eine Allgemeinverfügung erlassen, mit der die Lockerungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie teilweise wieder zurückgenommen werden. Das Sozialministerium bewertet das Infektionsgeschehen im Ortenaukreis anders als das Landratsamt als diffus…“.

No comment. Denn würde ich es kommentieren, dann wären vermutlich etliche Straftatbestände erfüllt.

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