Von Impfgegnern und anderen Bekloppten

Das Spektrum der Leute, die ich kenne, reicht auf der einen Seite von der Dame, (doppelt geimpft), die  beim wöchentlichen Bridge mit ebenfalls ausnahmslos doppelt Geimpften Einweghandschuhe anzieht: Wer weiß, was alles an den Karten kleben könnte! Manche Menschen, mit denen ich redee, geben an, es sei ihnen einfach zu nervig, weiter eingeschränkt zu sein, andere wollen sich vor einer Infektion schützen. Ganz ehrlich: niemand hat mir gegenüber seine Impfung mit dem Schutz seiner Mitmenschen begründet…

Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Nicht-Geimpften. Niemand davon ist Aluhut-Träger. Manche stehen der Homöopathie nahe, andere meinen, sie kümmern sich via gesunde Lebensweise um ein gutes Abwehrsystem, andere haben Zweifel wegen der kurzen Entwicklungszeit des Impfstoffs, jemand will sich impfen lassen, wenn der erste Totimpfstoff genehmigt ist.

 

Altbundespräsident Gauck: Impfgegner sind Bekloppte

So. Und nachdem mein Landesvater Kretschmann Ende Juli verkündet hat „Impfen ist erste Bürgerpflicht“ (siehe, was ich mir zu kommentieren erlaubte) legt Altbundespräsident Gauck nach: Impfgegner seien „Bekloppte“  und meint sich damit entschuldigen zu können „Ich bin ja jetzt Rentner und muss nicht mehr auf jedes Wort achten.“ (Wobei der Herr Pastor gewiss nicht als simpler „Rentner“ zu einer Rede vor Lehrerinnen und Lehrern eingeladen worden wäre!)

Kretschmann stellt Menschen, die sich nicht impfen lassen in die Ecke der ‚Pflichtvergessenen‘,  als schlechte Bürgerinnen und Bürger. Warum nicht gleich als ‚vaterlandslose Gesellen‘ wie einst die Sozis tituliert wurden? So weit ist der Weg dahin nicht! Gauck wiederum rückt Impfunwillige in die Nähe geistig Unterbelichteter. Ein Haufen anderer PolitikerInnen ‚argumentiert‘ mit dem ganzen Repertoire aus der „Schwarzen Pädagogik“.

Ach, im Augenblick ist es so einfach, mit „knallharten“ Äußerungen zu punkten.   

Aber das hat Folgen: Ja, man kriegt eine Impfquote von 80% oder 90% hin. Aber zu welchem Preis? Wie werden die Menschen auf Dauer reagieren, die mit gar nicht so ’sanfter Gewalt‘ zum Impfen gebracht sein werden? Einer sagte mir „ich werde bockig!“ Da wird er nicht der einzige sein und das hat Konsequenzen: Dann haben wir zwar eine hohe Impfquote erreicht, aber das Gefühl bei denen, die derart ‚überzeugt‘ wurden:  ‚ich weiche der Gewalt‘  wird bleiben.

Diese Menschen (die sich womöglich mehr Gedanken gemacht haben, als jene, bei denen ein unbeschwerter Restaurantbesuch oder Urlaub in Spanien für das Impfen entscheidend war) gehen nicht nur ein paar Tage auf Distanz zu ‚unserem‘ Staat. Das wird nicht so schnell vergessen! Reagieren wir nicht alle so: Wer so behandelt wird, dem schwindet die Lust zur Solidarität, sich zu engagieren. Entfremdung bis hin zum passiven Widerstand.

 

Mit Druck läuft nichts – ohne auch nicht

Diesen Satz, den ich in der Drogenberatung kennengelernt habe, er gilt auch hier.

Ich habe mir recht lange überlegt, wie ich mich zu Impfen versus Nicht-Impfen positioniere. Mein Standpunkt: Nix ist umsonst! Wer sich impft, muss einen Termin ausmachen, sich pieksen lassen, ein nicht geringer Prozentsatz fühlt sich danach ein paar Stunden oder Tage elend, schließlich lebt man mit dem Risiko, der Impfstoff könnte doch Langzeitschäden hervorrufen. Das ist der Preis.

Auf der anderen Seite erscheint es mir dann berechtigt, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen, Einschränkungen hinnehmen müssen und auch Tests aus eigener Tasche zu bezahlen haben. Aber: wenn diese Einschränkungen ganz offensichtlich unter der Rubrik ‚Schikane‘ laufen, wenn z.B. für einen Test Preise berechnet werden, die jenseits jeder Realität liegen – dann wird es schräg. Vorsichtig ausgedrückt. Das gilt meiner Meinung auch weitgehend für die Einstellung der staatlichen „Lohnfortzahlung“ im Fall der Quarantäne. ‚Du hättest dich ja impfen lassen können‘ – das Argument kommt nicht sachlich daher, sondern mit dem Unterton ‚Ätsch, das hast du jetzt davon! – wir kriegen dich schon noch!‘

Längst ist bekannt, dass die Entscheidung für „Impfen oder Bleibenlassen“ ganz viel mit dem sozialen Umfeld zu tun hat. Man erreicht mehr, wenn man zum Beispiel einen Imam als Opinion-Leader gewinnt, eine beliebte Sozialarbeiterin in einem sozialen Brennpunkt werben lässt… Stichwort: Die Leute dort abholen, wo sie sind.    

Ich denke gerade daran, mit welcher Selbstverständlichkeit den Flutopfern staatlicherseits ihr erlittener Schaden mit Steuermitteln (weitgehend) ersetzt wird. Das kann man auch von verschiedenen Seiten sehen:  Einerseits- Andererseits: Einerseits ist es eine Pflicht der Solidarität, diesen gebeutelten MitbürgerInnen zu helfen. Andererseits: Die Versicherungsquote gegen Elementarschäden beläuft sich in Rheinland-Pfalz auf unter 40%. Könnte da nicht der eine oder die andere auf die Idee kommen: ‚bin ich eigentlich blöd, wenn ich treu und brav meinen Versicherungsbeitrag zahle, wenn andere, die das auch hätten tun können, das Geld vom Staat kriegen?‘ Ich möchte diese Frage nicht entscheiden, aber ich gebe das zu bedenken: Einfach mit ‚Denen gehört es nicht anders‘ zu argumentieren, ist nicht der Weisheit letzter Schluss und menschlich ist es schon gleich gar nicht.

 

Liebe PolitikerInnen: Hört auf mit Eurer überheblichen Besserwisserei!

Ihr habt die Wahrheit nicht gepachtet – ich auch nicht – niemand. Dialog auf Augenhöhe ist nicht nur notwendig um ein Miteinander möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Sie ist auch sachlich geboten: Darf ich daran erinnern, wieviel Stuss in den letzten 1 ½ Jahren von Entscheidungsträgern verzapft wurde, wie viele Fehlentscheidungen getroffen wurde, wie viel Ahnungs- und Hilflosigkeit offenbar wurde. Daran will man tunlichst nicht mehr erinnert werden. Aber ich erlaube mir, daran zu erinnern. Nach eineinhalb Jahren doch ziemlich akribischer Recherche-Arbeit nehme ich mir das heraus: Es besteht wirklich kein Grund, nun gerade beim Impfen die Backen aufzublasen, sich hinzustellen als hätte man die ultimative und unhinterfragbare Lösung gefunden. Es gibt fast nie nur ‚einen Weg‘.

„Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen“ (Jakob von Uexküll)

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Ein Grundsatzartikel – bereits vom April 2020  https://verfassungsblog.de/vom-niedergang-grundrechtlicher-denkkategorien-in-der-corona-pandemie/

Aktuell häufen sich die Studien, die die schlimmen Folgen der Einseitigkeit der Corona-Maßnahmen belegen, zum Beispiel bei den Kindern, die ja angeblich unsere Zukunft sind.  (https://www.heise.de/tp/features/Corona-Politik-Krankenkasse-warnt-vor-alarmierenden-Folgen-fuer-Kinder-6187934.html

Aber auch erhöhte Mortalität durch „verzögerten Notruf“ bei Herzinfarkt Patienten https://www.aend.de/article/213830

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