„Übersterblichkeit durch Corona“

Zahlen und Meinung zum Thema

Momentaufnahmen bei Statistiken sind mit Vorsicht zu genießen. Egal ob die Richtung einem passt oder nicht.

Im März 2021 sind laut Statistischem Bundesamt (destatis) 81.307 Menschen gestorben. Damit liegt die Zahl der Sterbefälle – wie auch schon im Februar – unter dem Durchschnitt der Vorjahre. Im Januar war die Zahl der Toten dagegen deutlich erhöht, wie der Blick auf die Grafik zeigt. Auch in den einzelnen Bundesländern liegen die Sterbefallzahlen unter dem Schnitt der Vorjahre. Als eine Erklärung für die Entwicklung nennt destatis die „ungewöhnlich niedrige Aktivität anderer Atemwegserkrankungen wie beispielsweise der Influenza“. Weiter heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Behörde: „Da dieser Grippeeffekt im Winter 2020/2021 äußerst gering war, sind die gesamten Sterbefallzahlen trotz der neu auftretenden COVID-19-Todesfälle ab Mitte Februar 2021 unter den Durchschnitt der Vorjahre gefallen. Insbesondere im März 2021 lagen sie deutlich darunter.“

Die Tatsache, dass im Dezember die Todeszahlendann 32 % über dem Vorjahres­durchschnitt“ lagen erschreckt. In absoluten Zahlen heißt das: Es gab im Dezember 2020 25 397 mehr Todesfälle als im Dezember 2019. Ich rede das nicht klein. Aber ich stelle es in einen Zusammenhang um zu zeigen, dass es solche Ausreißer immer wieder gibt, ohne dass die Republik verzweifelt die Hände ringt, vielmehr, in der Regel nimmt sie es nicht mal zur Kenntnis: 

Wenn Sie das Schaubild auf der Seite aufrufen, werden Sie sehen, dass es im März 2018 einen deutlichen „Ausreißer“ nach oben gab – ohne dass jemand sich daran erinnert, was für eine Epidemie den verursacht hat. „Ausreißer“ nach oben und nach unten gehören dazu.

Der „Ausreißer in Zahlen: Im März 2018 starben 24 170 Menschen mehr als im März 2017. Also ein Anstieg, der dem vom Dezember 2020 im Vergleich zum Dezember 2019 sehr nahe kommt.  (pdf-Datei:  Sterbefälle. Fallzahlen nach Tagen, Wochen, Monaten, Altersgruppen, Geschlecht und Bundesländern für Deutschland 2016 – 2021). Who cares?

Insgesamt starben 2020  46100 Menschen mehr als 2019 (und 2019 15 354 weniger als 2018). Im Jahr 2015 jedoch starben 56 844 mehr als 2014. Haben Sie etwas davon gemerkt? Irgendeine Zeitungsnotiz erinnerlich?  

 

Les terribles simplificateurs

Wer darauf besteht, seriös möglichst viele verschiedene mögliche Faktoren zu berücksichtigen, findet sich umgehend in der Schublade der Corona-Verharmloser wieder. Wer die simple Forderung nach Sorgfalt, Genauigkeit und Berücksichtigung möglichst aller Faktoren aufstellt, bekommt schnell das Etikett „inhuman“ „Verschwörungstheoretiker“ angeheftet – passt halt nicht ins Weltbild. Das muss man im Moment anscheinend ertragen und gelassen auf bessere Zeiten hoffen.    

Die Gelassenheit fällt mir allerdings schwer, wenn ich sehe, dass umgekehrt Schlamperei und reißerische Berichterstattung stattfinden dürfen, ohne dass Widerspruch kommt. Gerade auch nicht von und in den „seriösen“ Medien. Oder haben Sie irgendwo eine Korrektur zu der Headline „46 Prozent mehr Tote in Sachsen während Corona-Pandemie“. (rp-online.de) gelesen?

Tatsächlich stimmt das mit den 46% …. für die 47. Kalenderwoche 2020. Übers ganze Jahr 2020 allerdings starben in Sachsen 5,1% mehr als zu erwarten gewesen wäre, wie Bernhard Gill am 3.1.21 in telepolis aufdröselt. „Keine Übersterblichkeit trotz Covid“.

Bernhard Gill zitiert auch Christina Berndt in der Süddeutschen:      

„Covid-19 ist ein Totmacher. Noch nie in der Geschichte der Republik sind so viele Menschen in so kurzer Zeit an einer einzigen Krankheit gestorben,“ behauptet Christina Berndt in der Süddeutschen Zeitung vom 23.12.2020.

So einfach geht das: Da wird nicht berücksichtigt, in wie vielen Fällen Corona nur der letzte Auslöser war (wenn ich mich recht entsinne, sagte Prof. Streeck bei einem „an Corona gestorbenen“ 102-Jährigen sinngemäß „da hätte auch ein einfacher Schnupfen zum Tod führen können“).

Es wird so getan, als raffe Corona so wie Ebola mehrheitlich gesunde Menschen in der Blüte ihres Lebens dahin.  Da wird auch nicht berücksichtigt, wie sich die Altersstruktur in Deutschland verändert: Wenn prozentual der Anteil an Menschen über 80 Jahren in der Bevölkerung steigt, bedeutet das auch einen Anstieg der Sterbefälle. Gestiegene Lebenserwartung hin oder her. Und so weiter…

Der Zweck heiligt die Mittel. Wobei ich mich frage: welcher Zweck?  

 

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