Joachim Neumann: Mit kühlem Kopf durch die Corona-Krise

Ein Gastbeitrag  meines Sohnes. Auf seiner Website sieht es besser aus als es mir hier mit meinen beschränkten Möglichkeiten gegeben ist: https://www.neumann-coaching.com/mit-kuehlem-kopf-durch-corona

 

Die durch das Corona-Virus SARS CoV 2 ausgelöste weltweite Krise verunsichert. Vieles ist so noch nie da gewesen; ständig überschlagen sich die Ereignisse; die Folgen sind im Einzelnen nicht absehbar. All das führt zu großer Unsicherheit.Dass uns dies alles Angst machen kann, ist völlig natürlich. Ganz besonders da das Thema omnipräsent ist: Es betrifft unsere Arbeit und unser Privatleben, unsere Gegenwart und auch unsere Zukunft. Gerade deswegen ist es wichtig, nicht in Panik zu geraten, sondern mit kühlem Kopf die nächsten Schritte zu planen. Beherzigen Sie die folgenden Punkte und tragen Sie so dazu bei, dass wir alle die Corona-Krise erfolgreich meistern.

1. Hadern Sie nicht mit dem Schicksal.

In schwierigen Situationen neigen wir dazu, das Problem von allen möglichen Seiten analysieren zu wollen. Wir wollen verstehen, wie wir in diese Lage gekommen sind und was wir hätten tun können, um das negative Ergebnis zu vermeiden. Sicherlich kann eine solche Betrachtung zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll sein – im Akutfall hilft uns das aber nicht weiter, sondern unterstreicht vielmehr unsere Hilflosigkeit. Dies gilt ganz besonders für die aktuelle Corona-Situation, für die jede*r Einzelne vonuns ja persönlich überhaupt nichts kann und die in dieser Dramatik auch von niemandem vorhergesehen werden konnte. Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Fokus auf unsere tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten zu richten. Damit wir dies tun können, müssen wir zunächst einmal die Situation so annehmen, wie sie ist: zum Beispiel als ungewohnt, schwierig, herausfordernd, vielleicht auch beängstigend, oder ärgerlich – vor allem aber, als nicht direkt von uns veränderbar. Wenn wir die Gegenwart akzeptieren, können wir unseren Spielraum für die Zukunft ausloten.

 

2. Konkretisieren Sie, was Ihnen Sorge bereitet

Die Belastungen durch die aktuelle Krise können ganz unterschiedlich sein. Für die einen bedeutet sie akuten Stress, weil plötzlich der Alltag völlig neu organisiert werden muss und einen beispielsweise die Kinderbetreuung und somit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor große Herausforderung stellt. Für andere liegt der Stressfaktor hingegen in existentiellen Ängsten, die die wirtschaftliche Zukunft betreffen. Insbesondere Solo-Selbstständige, Künstler, Gastronomen und Handwerksbetriebe können hiervon betroffen sein. Gerade für diese Gruppen ist die Unsicherheit sehr groß und die wahrgenommene Hilflosigkeit sehr belastend. Hier kann es helfen, die akute Problematik zu benennen und die Folgen zu konkretisieren:

Wie sieht der schlimmstmögliche Fall für mich ganz konkret aus? Welche Handlungsmöglichkeiten könnten mir in diesem Fall dennoch zur Verfügung stehen. Wo kann ich Unterstützung finden? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten dieser Extremsituation? Wie könnte ein weniger dramatischer Verlauf aussehen? Was könnte ich persönlich tun, die Eintrittswahrscheinlichkeit einer milderen Konsequenz zu erhöhen? Solche Fragen helfen uns die Gefahr weniger abstrakt erscheinen zu lassen und konkrete eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Das Problem besteht zwar immer noch – wird aber realistischer eingeschätzt. Dies eröffnet uns die Möglichkeit sinnvoll und zielgerichtet zu agieren.

 

3. Machen sie sich die eigenen Handlungsmöglichkeiten bewusst

Als Einzelne*r können wir weder etwas an der rasanten Verbreitung des Corona-Virus ändern, noch haben wir direkten Einfluss auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen. Staatlichen Vorgaben müssen wir Folge leisten. Dies alles kann zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins führen. Allerdings können wir durchaus einiges aktiv tun – und dies sollten wir uns bewusst machen. Zunächst einmal können wir uns ganz bewusst dafür entscheiden, die Empfehlungen und Vorgaben zur Eindämmung der Ausbreitung zu befolgen. Salopp gesagt: wir dürfen vernünftig handeln! Als nächsten können wir uns überlegen, was wir in den konkreten Situationentatsächlich alles tun können. Niemand ist ja dazu verdammt zuhause zu sitzen und den ganzen Tag die Decke anzustarren. Wir können diese Situation auch nutzen um Dinge zu tun, die wir schon lange in Angriff nehmen wollten – oder um ganz neue Dinge auszuprobieren. Unter Umständen müssen wir hierzu ein wenig um die Ecke denken und ganz sicher ist es erforderlich, dass wir uns von gewohnten Routinen verabschieden. Wie das gehen kann, erfahren Sie unter den Punkten 4, 6 und 7.

 

4. Lenken Sie den Fokus auf die positiven Aspekte der Situation.

Es geht nicht darum, mögliche negative Aspekte der aktuellen Situation kleinzuredenoder gar zu verleugnen. Eine Medaille hat jedoch bekanntermaßen immer zwei Seiten und im Moment beschäftigen wir uns oft zum großen Teil nur mit der einen: Den Gefahren und Problemen. Es geht also darum, ein ausgewogenes Bild von der Realität zu schaffen und die positiven Dinge verstärkt in den Blick zu nehmen. So kann eine Quarantäne bei all den Einschränkungen auch die Chance bieten, endlich mal das eine Buch zu lesen, welches sie schon lange lesen wollten, welches aber seit Jahren im Schrank verstaubt. Die verpflichtende Arbeit im Homeoffice kann die Möglichkeit bieten, sich mit neuen Werkzeugen der digitalen Kommunikation auseinanderzusetzen und ihre Vorzüge kennen zu lernen. Der Gang zum Supermarkt ist plötzlich nicht mehr eine lästige Pflichtübung, sondern bietet die Möglichkeit frische Luft zu schnappen und das gute Wetter zu genießen.

Stellen Sie sich also ruhig immer wieder ganz bewusst die Frage: Welche angenehme Optionen habe ich in dieser Situation?“ – und entscheiden Sie sich ganz bewusst für diese. So erlangen Sie das Heft des Handelns wieder zurück.

 

5. Konsumieren Sie Informationen über das Virus und seine Auswirkungen zielgerichtet

Umfassende Information ist gerade in diesen Zeiten wichtig. Deswegen muss aber noch lange nicht jede Sondersendung im Fernsehen, jeder Artikel in der Zeitung und jede Mitteilungen in den sozialen Medien gelesen, kommentiert und geteilt werden. Im Gegenteil: Wenn wir uns ausschließlich mit der Corona-Thematik befassen, laufenwir Gefahr, immer tiefer in einen negativen Strudel zu geraten, der uns einseitig das Gefühl von Hilf- und Hoffnungslosigkeit vermittelt. Dem können wir entgegensteuern. Hier hilft es, den Medienkonsum zu fokussieren. Informieren Sie sich beispielsweise gezielt drei Mal am Tag über (verschiedene) seriöse Kanäle: Was ist Neues passiert? Was davon betrifft mich direkt? Was kann ich tun? Begeben Sie sich zudem ganz gezielt auf die Suche nach positiven Informationen. Diese sind nämlich leider mitunter ein wenig versteckt, obwohl sie natürlich existieren:Wie viele Menschen sind mittlerweile wieder genesen? Wie weit ist die Forschung in Sachen Impfstoff? Welche konstruktiven Formen haben Menschen in anderen Ländern gefunden, um mit der schwierigen Situation umzugehen? Bei aller Dramatik lassen sich so immer auch Informationen finden, die uns Mut und Zuversicht geben.

 

6. Überlegen Sie sich Alternativprogramme

Wir alle werden aus liebgewonnenen Routinen gerissen: Das Treffen mit der besten Freundin im Café, der regelmäßige Gang ins Fitnessstudio oder Schwimmbad, der sorglose Einkaufsbummel im Shopping Center. Dinge, die sonst selbstverständlich waren sind plötzlich tabu. Wir sitzen zuhause und wissen nichts mit uns anzufangen. Auch hier gilt: Beschäftigen sie sich nicht damit, wie schön es doch wäre, wenn sie dies oder jenes tun könnten, was ihnen aktuell jedoch verwehrt ist. Überlegen Sie sich stattdessen, wie sie sinnvoll Ersatz für das Entgangene schaffen können. Warum denn das Café-Treffen gleich ganz absagen und nicht stattdessen einfach mit der Freundin telefonieren oder skypen. Das lässt sich durchaus auch ein wenig zelebrieren. Warum das Fitnessstudio nicht in die eigenen vier Wände verlegen und mit dem eigenen Körpergewicht arbeiten? Apps, Online-Tutorials oder Bücher gibt es hierzu reichlich!Warum statt der Shopping-Tour nicht einmal den Kleiderschrank ausmisten und den lang vermissten Lieblingspulli wieder finden?

Wir müssen auf viele Dinge nicht völlig verzichten. Wir brauchen sie nur ein bisschen neu zu denken.

 

7. Seien Sie für Ihre Mitmenschen da

„In guten wie in schlechten Zeiten!“

Dies sollte nicht nur für die Partnerschaft gelten, sondern generell für unser Miteinander. Gerade in Zeiten in denen direkte soziale Kontakte schwierig bis unmöglich sind, ist es wichtig, die noch verbliebenen Möglichkeiten zu nutzen, um miteinander in Kontakt zu bleiben. Verlassen Sie auch hier die breitgetretenen Pfade: Greifen Sie häufiger zum Telefonhörer, statt „nur“ eine Textnachricht zu schreiben. Wenn Sie bislang noch nicht der große Skyper waren, ist jetzt vielleicht die Gelegenheit, sich mit dieser Kommunikationsform vertraut zu machen. Vielleicht halten Sie nun zum ersten Mal einen Nachbarschaftsschwatz über den Gartenzaun hinweg, wie es ihre Großmutter früher getan hat.Melden Sie sich häufiger gerade bei älteren Verwandten oder bieten Ihren Nachbarn Unterstützung an, indem Sie Einkäufe für sie erledigen. Und machen Sie sich bewusst: Vom Sich-Helfen profitieren beide Seiten: Es stärkt den Zusammenhalt undverschafft allen ein gutes Gefühl.8.Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten.Es ist wichtig Verhaltens- und Hygienetipps zu befolgen. Sicher werden Sie feststellen, dass Sie in der Vergangenheit das ein oder andere (z.B. in die Armbeugeniesen oder Händewaschen) nicht immer so ausgeführt haben, wie es vorbildlich gewesen wäre. Machen Sie sich hierüber keinen Gedanken. Beschäftigen Sie sich nicht mit der Vergangenheit, sondern versuchen Sie, es nun besser zu machen. Nehmen Sie sich vor allem auch vor, sinnvolle Verhaltensweisen in der Zeit nach derCorona-Krise beizubehalten.Sie werden auch feststellen, dass sie bei machen Dingen in der aktuellen Situation übers Ziel hinausschießen (z.B. Stichwort „Hamsterkäufe“). Auch dies ist völlig normal, denn wir versuchen Dinge möglichst richtig zu machen. Keine*r von uns kann sich jedoch immer optimal verhalten – zumal es „das optimale Verhalten“ auch in der Corona-Situation gar nicht gibt. Seien Sie also nachsichtig mit sich und mit Mitmenschen, von denen sie den Eindruck haben, sie würden „überreagieren“ und sprechen Sie gleichzeitig freundlich aber bestimmt Ihre Mitmenschen an, wenn Sie finden, dass diese sich nicht der Situation angemessen verhalten.Seien Sie solidarisch mit Erkrankten.In Krisensituationen liegen oft die Nerven blank und ein Opfer wird schnell zum Sündenbock oder zumindest des fahrlässigen Handelns beschuldigt. Dies lässt sich teilweise auch in der aktuellen Situation beobachten. So nachvollziehbar es ist, ein Ventil für seine Angst zu suchen, so wenig hilft es weiter.

Vermeiden Sie daher insbesondere Schuldzuweisungen oder emotionale Ausgrenzung gegenüber Menschen, die sich mit dem Virus SARS CoV 2 infiziert haben. Gehen Sie davon aus, dass sich niemand absichtlich fahrlässig infiziert (auch nicht auf der Après-Ski-Party in Tirol!) und erst recht, dass niemand andere fahrlässig in Gefahr bringen will. Wahren Sie selbstverständlich räumliche Distanz, aber sprechen Sie Ihren Mitmenschen emotionale Unterstützung aus, wenn Ihnen dies angebracht erscheint, z.B. in Form einer Textnachricht oder einer Genesungskarte.Versetzen Sie sich in Ihre Mitmenschen. Nicht nur wir selber sind in der gegenwärtigen Situation angespannt. Unseren Mitmenschen geht es ähnlich. Wenn wir unter Strom stehen, sind wir häufig dünnhäutig und reagieren schnell emotional. Machen Sie sich daher bewusst: Nicht jeder Rüpler gilt also uns selber, sondern der Stresssituation geschuldet ist. Dies kann Ihnen helfen, in der ein oder anderen Situation gelassener zu bleiben.Wenn das Kind in der Wohnung über Ihnen laut trampelnd durch die Wohnung rennt – ziehen Sie wenn möglich einfach Kopfhörer auf, atmen Sie tief durch und stellen vielleicht bei Gelegenheit mal ein Überraschungsei vor die Türe. Geben Sie auf sich und Ihre Mitmenschen acht.

 

David Neumann ist freiberuflicher Dipl.-Psychologe und Dipl.-Kaufmann. Wenn nicht gerade Corona-Krise herrscht, bietet er Workshops, Beratung und Coaching rund umdie Themen Stressmanagement, Konfliktmanagement und Digitalisierung an. www.neumann-coaching.com

 

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