Ich wundere mich schon wieder. „Bettgeflüster“ von 1959

Ich wundere mich schon wieder.

Ich gebe es zu: mein Film- und Fernseh-Geschmack ist von anspruchsloser Qualität geworden (war früher wirklich besser). Jetzt brauche ich einfach nur eine Dreiviertelstunde zur Entspannung. Serien am besten in den ganz gewiss nichts Dramatisches, Aufwühlendes passiert.

Gestern Abend besann ich mich auf einen Film, den ich als Jugendliche wohl ziemlich toll fand: das „Bettgeflüster“ mit Doris Day und Rock Hudson von 1959. Kann man das für ein paar Euro im Internet ausleihen.

Darüber wundere ich mich nicht: das Frauenbild von damals

Gut, über das Frauenbild der damaligen Zeit konnte ich noch locker und amüsiert hinwegschauen. Motto war: „eine Frau hat zwei große Probleme – was ziehe ich an und was koche ich heute“. Letzteres galt vermutlich nur für die verheiratete Frau – aber verheiratet zu sein war ja das Lebensziel jeder Frau. Und dafür tat sie einiges: erstens war sie „anständig“ (Ein Spruch von damals, der allerdings nur für Frauen galt und gewiss nicht für Männer: „wer viel wechselt, ist bald Kleingeld“). Zweitens hatten sie zu jeder Tages- und Nachtzeit makellos auszusehen. Zum Beispiel Doris Day: die schlüpft frühmorgens im hochgeschlossenen Nachthemd und mit makelloser Frisur aus dem Bett (natürlich ihrem eigenen). Es war die Zeit der Dauerwellen und Unmengen„Taft- Allwetterspray“. Die daraus resultierenden Frisuren hießen “Betonköpfe“.

Sexueller Übergriff – sehr witzig! „Eine charmante und amüsante Komödie“ (Lexikon des internationalen Films)

Also, darauf war ich vorbereitet. Wo ich aber dachte „ich sehe nicht recht“ war folgende längere Szene: Die Hauptdarstellerin wurde vom Sohn einer Gastgeberin mit dem Auto nach Hause gebracht. Oder genauer gesagt: er sollte das tun. Stattdessen hielt am Straßenrand an und wurde zudringlich. Wobei „zudringlich“ eine milde Umschreibung ist. Keineswegs nur die Hand auf das Knie legen, vielmehr das Ausspielen der überlegenen Körperkraft. Wieder und wieder. Außer damenhaft “nein“ sagte Doris Day ziemlich wenig. Es ist lediglich der Prüderie jener Zeit zu verdanken, dass ihre Kleidung im Film an Ort und Stelle blieb. Realistisch war das nicht.

Also: Doris Day versuchte nicht aus dem Auto heraus zu springen. Sondern – und jetzt wurde es vollends grotesk – nachdem sie das Versprechen gegeben hatte, mit ihm noch einen Drink zu nehmen, fuhr er in die nächste Tanzbar. Und als er sie zum Tanzen aufforderte, ging sie mit ihm auf die Tanzfläche. Dass er versuchte, sie betrunken zu machen, brachte ihm lediglich eine leichte Rüge ein.

Offensichtlich war damals eine versuchte Vergewaltigung kein Grund, schreiend davonzulaufen, die Polizei zu holen, Anzeige zu erstatten. Vielmehr: Das war normal. . Kein Grund zur Aufregung.

Grund zur Aufregung wäre gewesen, wenn man zum Beispiel eine weibliche Brustwarze auf der Leinwand zu sehen bekommen hätte.

Ich lese bei Wikipedia nach und nehme zur Kenntnis, was im „Lexikon des internationalen Films“ über „Bettgeflüster“ steht (By the way: der Film erhielt 1960 den Oscar für das beste Drehbuch und gewann den Laurel Award als beste Komödie):

„Für das Lexikon des internationalen Films war Bettgeflüster eine „ebenso charmante wie amüsante Komödie, die geschickt mit dem frivolen Potential des Stoffes spielt, ohne jedoch anzüglich zu werden“. Dies sei vor allem dem „witzige[n] Drehbuch“ und der „Spiellaune der Darsteller“ zu verdanken.[2] Prisma sah eine „vergnügliche, neckische Komödie – und ein typisches Beispiel für Days leicht frivole, aber saubere Unterhaltung.“

„Saubere Unterhaltung“- „ohne anzüglich zu werden“.  Sehr witzig!

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