Egennutz, Gemeinnutz, Nichtsnutz…

Gut, es gibt aktuellere Skandale. Aber dieses Zitat (natürlich wieder mal: gehört beim heutigen Bildungs-Schwimmen. D.h. Schwimmen mit I-pod)  fand ich doch wert, der Vergessenheit entrissen zu werden, weil diese Mentalität heute mit Sicherheit nicht weniger verbreitet ist als vor dreißig Jahren.     

„Niemals, meine Damen und Herren, ist der Volksmund so eindrücklich bestätigt worden in der Steigerungsformel: Eigennutz, Gemeinnutz, Nichtsnutz! Für die FDP-Fraktion sage ich mit aller Deutlichkeit: Nein zu jedem beabsichtigten Griff in öffentliche Kassen!“ (Otto Graf von Lambsdorff  1986 im Deutschen Bundestag)

Mir ist zwar dieses Wort des „Volksmunds“ nicht geläufig, aber das will nicht so viel heißen. Lambsdorffs Äußerung war die Antwort auf die Forderung der SPD nach staatlichen Subventionen für die „Neue Heimat“. Die „Neue Heimat“ war ein gewerkschaftseigenes Bauunternehmen mit damals 400 000 Wohnungen. Sie schrieb rote Zahlen, was nicht nur mit schlechtem Management sondern auch mit kriminellen Machenschaften von ranghohen Gewerkschaftlern zu tun hatte, die in die eigene Tasche gewirtschaftet hatten. (die Geschichte dazu: https://www.deutschlandfunk.de/strohmaenner-scharlatane-und-spekulanten.724.de.html?dram:article_id=98695).

So weit, so schlecht. Trotzdem ist diese abschätzige Einstellung zum „Gemeinnutz“ durch den FDP-Politiker bemerkenswert. Sein Statement entbehrt aber noch aus einem anderen Grund nicht der Pikanterie:

In Verlauf der Flick-Affäre wurde Lambsdorff 1987 (also ein Jahr später) zu 180 000 DM wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt. Vom Vorwurf der Bestechlichkeit wurde er manges Beweisen freigesprochen. 

Vom Bundeswirtschaftsministerium wurden dem Ex-Chef 515.000 DM Prozesskostenhilfe zur Deckung seiner Anwaltskosten zugesprochen.

So viel zum „Nein zu jedem beabsichtigten Griff in öffentliche Kassen“.

Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken (ebenfalls Volksmund) und wenn es dort genügend und lange genug stinkt, braucht niemand sich über die Folgen zu wundern und zu beklagen. Mir macht das Angst.

 

 

 

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