Wer soll geschützt werden – „die Alten“ oder die Heimleitung?

Wieder bekomme ich bedrückende Geschichten aus Alten- und Pflegeheimen erzählt. So wie beim Lockdown im Frühjahr. Eine Patientin berichtet: Der Mann ist im Pflegeheim, seine Frau im angeschlossenen betreuten Wohnen. Normalerweise besucht sie ihn täglich. Jetzt muss sie den ohnehin schon auf eine Stunde begrenzten Besuch Tag für Tag vierundzwanzig Stunden vorher anmelden. Das kriegt sie nicht auf die Reihe. Die Regelung ist unerbittlich: keine Anmeldung kein Besuch.

Ich erzähle diese Geschichte einer Bekannten. Die ergänzt: Sie wisse von Heimen, in denen die Bewohner in ihrem Zimmer bleiben müssten, nicht mal mehr auf den Gang gehen dürften.

Ich sage: „Irgendwie verstehe ich die Heimleitungen ja: Ich wollte den Aufstand, die Schuldzuweisungen auch nicht erleben, wenn in meinem Heim Covid ausbräche. Von den rechtlichen Fragen ganz abgesehen.“

Nachdenklich sagt mein Gegenüber: „Um wessen Schutz geht es eigentlich? Um die Sicherheit der alten Menschen oder der Heimleitungen?“

 

 

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