„Tausende starben einen einsamen Corona-Tod“ – Jetzt realisiert es auch der SPIEGEL!

 

„Tausende starben einsamen Corona-Tod – Das späte Leid der Angehörigen“ – so der Titel  des bedrückenden Spiegel-Berichts (kostenpflichtig) über die Grausamkeiten, zu denen die Lockdown-Vorschriften in Krankenhäusern und Altenheimen führten:

Da heißt es zum Beispiel: „Als ihre Mutter im Sterben lag, hielt man der alten Frau noch ein Handy ans Ohr, aber sie habe dadurch »nur noch ein Röcheln« gehört.“

„Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, galten vor allem während der beiden ersten Wellen an vielen Kliniken und Heimen Zugangsregeln, die nicht nur streng, sondern gnadenlos waren. Sogar der letzte Besuch wurde oft untersagt, die letzte Berührung sowieso. Alles wurde dem Kampf gegen das Virus und der Inzidenz untergeordnet, auch die Würde der Sterbenden und das Seelenheil der Überlebenden. Inzwischen zeigen sich die Folgen: Viele Hinterbliebene stürzen ab in Depressionen, brauchen Therapien. Es ist das andere Long Covid, die Krankheit nach der Krankheit, und es wird auch das Gesundheitssystem belasten.“

Ja, genau das war es: gnadenlos!

„Eine Frau weinte während des gesamten Gesprächs“

Der SPIEGEL hat in den vergangenen Tagen und Wochen mit vielen Betroffenen gesprochen oder per E-Mail Kontakt gehabt. Darunter war ein Mann aus Dortmund, dem nach fast 60 Jahren Ehe laut eigener Aussage der Zugang zu seiner »lieben, lieben Frau« verwehrt worden war; es berichtete eine gut 70-jährige Mutter aus Hamm, dass sie partout nicht ans Sterbebett ihres chronisch kranken Sohnes durfte, obwohl dieser immer wieder inständig darum gebeten haben soll; eine junge Frau aus Baden-Württemberg erzählte vom qualvollen und einsamen Ableben ihrer coronainfizierten Mutter. Sie weinte während des ganzen Gesprächs.“

 

Immerhin! Jetzt hat der Spiegel diesen Bericht gebracht, ein erschütternder Bericht, der mich aber auch wütend macht. Denn last not least der SPIEGEL waren ja mit dieser Gnadenlosigkeit einig, mehr noch, sie unterstützten sie. Und wer Einwände hatte, fand sich verdammt schnell in der Ecke der „Spinner“ wieder, die nicht wüssten, was die Uhr geschlagen hat.

 

Und  wie titelte der Spiegel vor 15 Monaten? „Wir brauchen noch viel härtere Maßnahmen“

Als ordentlicher Mensch fand ich einen (von vielen!) Spiegel-Artikeln von damals recht schnell wieder. Zum Beispiel den Leitartikel (!) vom 20.4.20 von Rafaela von Bredow „Wir brauchen noch viel härtere Maßnahmen“:

Ich habe mir deshalb erlaubt, im Spiegel-Forum was dazu zu schreiben. Und zur weiteren Verbreitung sei es hier zitiert:

Es freut mich, dass die Redaktion des Spiegel nach vielen Monaten inzwischen eine differenzierte Sicht hat und ich verstehe diese Reportage über den einsamen Tod als eine Art Abbitte.

Aber ich vergesse  nicht und will auch nicht vergessen: Zum Beispiel der Kommentar von Rafaela von Bredow vom 17.4.20. Unter dem Titel  „Wir brauchen viel härtere Maßnahmen“ schrieb sie:

„Wer seinen betagten Eltern bislang nicht Skype oder Facetime erklärt hat, sollte es demnächst tun. Es lohnt sich. Leider. Die lieben Großeltern werden noch lange in Isolation leben. Und womöglich müssen sie sich in den kommenden Jahren wieder und wieder zurückziehen. Für Monate. Ohne Enkel, ohne Umarmungen, ohne Nähe.

Solange wir ein Inferno wie in Italien oder Spanien verhindern wollen, müssen wir eine Isolierung, wie wir sie bisher hatten, aufrechterhalten. Dass wir bis 2022 damit leben müssen, ist keine Panikmache, sondern ein realistisches Szenario.“

Das war mehr oder weniger die Meinung des Spiegels über viele Monate. Und Frau von Bredow leistet hoffentlich ihre Sozialstunden in einer Kinderpsychotherapie, bei einer Trauergruppe oder in einem Altenheim ab.

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