Kriminalität – wann werden endlich mal Konsequenzen gezogen?

Ausführlich geratene Vorbemerkung

Es ging mal wieder durch sämtliche Medien: Laut Kriminalitätsstatik ist die Prozentzahl der ausländischen Straftäter bzw. Tatverdächtigen deutlich höher als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspräche.

„Die können sich hier alles erlauben“ – „Schneller abschieben“ – „Ausländer raus“. Wir kennen die Reaktionen, die reflexhaft von denen kommen, die sich bestätigt sehen, weil sie sich bestätigt sehen wollen. Aber auch der relativ unvoreingenommene Leser, die relativ unvoreingenommene Leserin solcher Meldungen gerät ins Grübeln: „Da sollte man doch was tun, das geht doch so nicht!“

Zunächst sollte man allerdings genauer hinschauen.

Damit meine ich nicht die Praktiken „Lügen mit Statistik“, die insbesondere im Gesundheitswesen so beliebt sind. (Ein neues Krebsmedikament verbessert die Überlebenschance um 100 %. Stimmt: Statt bisher einer Person von meinetwegen 500 oder 5000 oder 50 000 Erkrankten überleben mit dem Medikament zwei Personen. Das ist – man kann es drehen und wenden wie man will – eine Steigerung um 100%) Sondern ich meine: Was muss bei einer Statistik mitbedacht werden.

Im Falle der Kriminalitätsstatistik Ausländer versus Deutsche zum Beispiel

  • „verdächtig“ ist noch nicht „verurteilt“ (u.a.: es gibt ein unterschiedliches Anzeigeverhalten: ausländisch aussehende Verdächtige werden häufiger angezeigt, als „deutsch“ aussehende, angeblich doppelt so häufig.)
  • Aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, wurden mindestens bisher auch Menschen, die ein „Tötungsdelikt“ überlebt haben, als “Opfer eines vollendeten Tötungsdelikts“ erfasst (BKA). Konkret Bei dem Anschlag von Anis Amri in Berlin 2016 kamen sieben Menschen ums Leben, 75 wurden verletzt. In der Statistik tauchen aber 82 Opfer eines „vollendeten Tötungsdelikts“ auf. – und erschienen übrigens erst in der Statistik von 2018. https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/bka-lagebild-103.html
  • Um welche Vergehen handelt es sich? Wenn nämlich Vergehen mitgerechnet werden, die jemand mit deutschem Pass gar nicht begehen kann (mindestens in Deutschland nicht), nämlich Vergehen gegen aufenthaltsrechtliche Bestimmungen (Residenzpflicht, Arbeitsverbot z.B.) können die Zahlen schon anders aussehen.
  • Ähnliches gilt z.B. für Vergehen wie „Beförderungserschleichung“ (vulgo „Schwarzfahren“) oder Erschleichen von Sozialleistungen (vulgo „Sozialbetrug“), die tatsächlich einen beträchtlichen Anteil an den von Ausländern begangenen Straftaten haben. Ohne es Schönreden zu wollen: ich komme deutlich weniger in Versuchung, Sozialleistungen zu erschleichen als ein Flüchtling. Auch fällt die Neigung zum Schwarzfahren geringer aus, wenn man meist mit dem eigenen SUV fährt.
  • Wie ist die Altersverteilung? „Ausländer“ in Deutschland haben einen 15 Jahre jüngeren Altersdurchschnitt als die bundesdeutsche Gesamtbevölkerung. Die allgemeine Lebenserfahrung lehrt, dass kriminelle Handlungen in der Regel (!) auch was mit dem Alter zu tun haben: Ab 65 Jahren sinkt die Neigung zu Raubüberfällen dramatisch.  
  • Um welche „Ausländer“ handelt es sich? Zu meiner Überraschung las ich, dass Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak und Syrien nicht krimineller sind als der bundesdeutsche Durchschnitt, dass aber Menschen aus den Maghrebstaaten und Schwarzafrika überdurchschnittlich vertreten sind. Was vielleicht auch daran liegen kann, dass generell Menschen ohne Chancen auf Bleiberecht krimineller sind als solche mit guten Chancen…. Wobei sich hier die Katze hier auch in den Schwanz beißen könnte.  

Da ich aber darauf gar nicht raus will, verweise ich zur gründlicheren Auseinandersetzung mit dem Thema auf nachfolgende Links.

Ich Möchte aber klarstellen:  Wer hier in Deutschland lebt, hat sich an die Gesetze zu halten. Dass Traumatisierung, Herkunft aus einer anderen Kultur berücksichtigt werden müssen, ist klar. Das hat vor Gericht zu geschehen – wie (so hoffe ich doch) bei jedem Angeklagten die Lebensumstände und daraus resultierende entlastende Momente zu berücksichtigen sind. Klarstellen möchte ich aber auch: Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache, dass Menschen, die integriert werden, die Arbeit haben, die nicht in Ghettos (Sammelunterkünfte) gezwungen werden, sich von der deutschen Bevölkerung hinsichtlich der Kriminalität nicht unterscheiden. Unsere Konsequenz?   

https://www.zeit.de/news/2019-01/08/faktencheck-sind-auslaender-haeufiger-kriminell-als-deutsche-181221-99-316592

https://www.bento.de/politik/sind-einwanderer-krimineller-als-deutsche-a-f34e6279-e321-4d88-ab22-68204994eec8

https://www.volksverpetzer.de/tag/kriminalitat/?steady_tried_to_set_safari_fix_cookie=true&print=print-search

https://www.volksverpetzer.de/tag/statistik/?print=print-search

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung/kernaussagenZuKriminalitaetImKontextVonZuwanderungIQuartal2019.html?nn=62336#Start

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/223/umfrage/verurteilte-straftaeter-nach-nationalitaet/

 

Worauf ich eigentlich hinaus will

So. Und worauf wollte ich jetzt eigentlich raus?

Während der Vergleich von Kriminalität bei den Gruppen „Ausländer“ und „Deutsche“ immer eine Schlagzeile wert ist und auch zahlreiche anerkennenswerte Studien zu Ursachen und Zusammenhängen erarbeitet wurden und werden, es viele Vorschläge und Bemühungen zur Verbesserung der Situation gibt, wird ein Vergleich zwischen zwei anderen Bevölkerungsgruppen ignoriert. Fällt unter den Tisch, obwohl die Befunde eindeutiger und über Jahre stabil, die betroffenen „Tätergruppe“ zahlenmäßig viel relevanter ist:  

In Deutschland unterscheiden sich zwei ziemlich gleich große Bevölkerungsgruppen seit Jahrzehnten ebenso unbestreitbar wie hochsignifikant in ihrem kriminellen Verhalten – und es war kein Thema, ist kein Thema und wird vermutlich kein Thema werden.

Einige Zahlen:

  • Gruppe A begeht ca. 80% aller Straftaten, Gruppe B 20% ( 2017: ca. 75 der Tatverdächtigen gehörten der Gruppe A  an, ca. 25%  der Gruppe B)
  • Schwere Straftaten (Mord, Raub usw.)  werden zu 90% von der Gruppe A und zu 10% von der Gruppe B begangen.
  • In DEUTSCHEN Gefängnissen sind ca. 95% von Angehörigen der Gruppe A und 5% der Gruppe B
  • In Sicherungsverwahrung sind ca. 99% von Angehörigen der Gruppe A und 1% der Gruppe B

Sie ahnen es schon um was für zwei Gruppen es sich handelt? Richtig! Um Männer und Frauen.

Jetzt stellen Sie sich mal vor, was los wäre, wenn diese Zahlen sich auf Ausländer versus Deutsche beziehen würden! Aber hier? Nichts ist los!

Die Befunde sind ebenso alt wie stabil. Niemand scheint das zu stören. Es ist so selbstverständlich, dass es für mich ausgesprochen mühselig war, Zahlen dazu zu finden. Selbst in den offiziellen Statistiken wird zwar häufig nach Ausländer und Deutsche, nicht aber nach männlich und weiblich unterteilt.

(Auch deswegen habe ich oben „ca.“ geschrieben, weil ich mich auf mehrere mühsam zusammengesuchten Zahlen beziehen musste.)

Eine der wenigen Ausnahmen:

Eine Tabelle, die seit 1990 bis 2017 die Zahl der verurteilten StraftäterInnen pro 100 000 der Bevölkerung auflistet. Dabei wird bei Männern unterschieden zwischen Erwachsenen, Heranwachsenden und Jugendlichen. Für 2017 kommt man auf die Gesamtzahl von 4159 bei den Männern, auf 241 bei den Frauen – da lohnt sich eine weitere Aufschlüsselung nicht! (https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Justiz-Rechtspflege/Tabellen/verurteilte-deutsche.html)

Es war mir nicht möglich herauszufinden, wie viele Morde von Männern und wie viele von Frauen begangen worden sind. Eine entsprechende Statistik gibt es sicher irgendwo. Aber sie scheint ganz gut versteckt zu haben oder versteckt worden zu sein.   

Worüber geschwiegen wird, hat auch Wirkung! Das ist eine Botschaft und zwar eine verdammt evvektive!  Denn es heißt:  Etwas, was problematisiert werden könnte oder besser: müsste, wird gar nicht als Problem erkennbar. Wer in der (offiziellen) Statistik zwar fein säuberlich „Straftaten von Ausländern“ – „Straftaten von Deutschen“ aufführt, aber die Frage des Geschlechts unter den Tisch fallen lässt, sorgt dafür – ob gewollt oder nicht –, dass die Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung gelenkt wird und in eine andere Richtung gar nicht mehr geguckt wird. Der Scheinwerfer ist auf die Ausländerkriminalität gerichtet. Die im Dunkeln sieht man nicht! 

Dabei war für mich bei meiner Recherche erst recht Folgendes irritierend: wenn ich bei Google die Suchbegriffe „Kriminalität Statistik männlich weiblich“ eingebe, finde ich auffallend oft eine Opferstatistik und keine Täterstatik. „Natürlich“ sind die Opfer von (Gewalt-)Verbrechen weit überdurchschnittlich Frauen. Das macht mich keineswegs zufrieden, das Motto des Sokrates „Lieber Unrecht leiden als Unrecht tun“ überzeugt mich nicht. Vielmehr sehe ich in dieser Auswahl die Fortschreibung des Klischees „Die Frau als Opfer“.

Unterschwellig ist der Befund „Männer als Täter – Frauen als Opfer“ ja allgemein bekannt. Denn sonst würde den Frauen (nur denen!) ja nicht eingeschärft, sie sollten nachts nicht allein zum Bahnhof und schon gar nicht in den Wald gehen. Das heißt: Die höhere männliche Kriminalität wird auch noch dazu benutzt, um die Bewegungsfreiheit der Frauen einzuschränken. Das nenn ich eine feine Logik! Mir fällt da immer Golda Meir ein, einst israelische Premierministerin: Ultraorthodoxe (oder vielleicht gar nicht so ultraorthodoxe??) Juden wollten in ihrer Besorgtheit um die Frauen ein Gesetz zu deren Schutz: Sie sollten nach 22 Uhr nur noch in männlicher Begleitung auf der Straße sein dürfen. Frau Meir konterte: Ihr erschiene es einleuchtender, ein Gesetz zu verabschieden, das Männern nach 22 Uhr den Aufenthalt im Freien nur noch in Begleitung einer Frau erlaube. Dann war Ruhe.

 

Gut – oder auch nicht gut. Wwelche Schlussfolgerungen sind zu ziehen?

„Männer raus“  statt „Ausländer raus“. – das eine ist wie das andere eine doofe Devise.

Aber Integrationskurse für Männer – das müsste doch genauso gut funktionieren wie nachweislich Integrationskurse für Ausländer!

Wer erzieht denn die Männer? Das sind nach wie vor zum großen Teil wir Frauen. Das dürfen wir in der ganzen Geschichte nicht vergessen! Sowohl als Selbstkritik wie als Chance, dass es gerade auch in unserer Hand liegt, etwas zu verändern.   

 

Einige der für diesen Text verwandten Links:

http://www.uni-konstanz.de/rtf/kik/krimdeu2002.pdf

http://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2016/3321/pdf/Henkelmann_Marina_BA_2016_05_17.pdf

https://www.tz.de/welt/verbrecher-deutschland-sind-maennlich-643938.html

https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Justiz-Rechtspflege/Tabellen/verurteilte-deutsche.html

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/pks2017ImkBericht.pdf?__blob=publicationFile&v=3

https://www.fernuni-hagen.de/rechtundgender/downloads/Moldenhauer_Karstedt_Taeterinnen.pdf

https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/pks-2018.pdf?__blob=publicationFile&v=3

https://orange.handelsblatt.com/artikel/37868

https://www.n-tv.de/politik/Starker-Anstieg-bei-Mord-und-Totschlag-article19807048.html

https://ppstuttgart.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/3/2019/04/Gesamtdokument-PKS.pdf

(hier wird teilweise nach Männern und Frauen aufgeschlüsselt. Aber keineswegs durchgängig)

https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/228/236

 

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