Kleine Kostbarkeiten

Irgendwie kommen mir die Menschen in Konstanz freundlicher vor. Aber das mag an meiner Ferienstimmung liegen. Klar auch, dass die kleine Tafel Schokolade der SBB-Angestellten im Konstanzer Hauptbahnhof nichts anderes ist als ein Werbegeschenk, mit der man sich für den Kauf meines Swiss-Flexi-Passes bedankte. Ich: „Immer, wenn ich komme, haben Sie Dienst“ –„Das scheint so zu sein. Sind Sie eine Süße?“ – „Und ob! Sieht man das nicht?“ – „Na, mit der Maske ist das ein bisschen schwierig.“

Auf dem Rückweg in der kleinen, samstäglich geschlossenen Sparkassenfiliale werde ich von einem kleinen Mann mit Rollator gefragt, ob ich ihm sagen könne, wie das ginge mit dem Drucken der Kontoauszüge. Ich kann nur partiell helfen. Da kommt eine junge Frau zur Tür rein, ich frage sie, ob sie weiter wisse. „Aber klar doch, mach ich gerne.“

Wieder draußen versuche ich meinen Rucksack auch über die rechte Schulter zu kriegen. Eine Frau kommt mir entgegen und fragt: „Kann ich Ihnen helfen?“ Ein wenig irritiert murmle ich etwas von „das Alter!“ – „ Ach was“, meint sie, „das geht uns allen manchmal so!“ und bringt den Rucksack ins Lot. Ich wünsche ihr ein besonders schönes Wochenende.  

Beim Weitergehen entscheide ich mich, weniger darüber nachzudenken, dass zunehmendes Alter mit abnehmender Beweglichkeit zu tun hat, sondern darüber, wie kostbar diese kleinen Erfahrungen von Zugewandtheit sind.        

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