Dr.med. Karlheinz Bayer: Über uns und unsere (!) Viren – eine Geschichte, die nicht erst bei Adam und Eva beginnt

Kalle“ Bayer oder ganz korrekt: Dr. med. Karlheinz Bayer ist ein „alter Freund“ von mir. Er praktiziert im „hinteren Renchtal“ unter anderem als Hausarzt.(http://www.karlheinz-bayer.de ) Heute Morgen schickte er mir diesen informativen Artikel über Viren, der den Vorteil hat, dass man ein bisschen Abstand zu dem C-Thema gewinnt. Das empfinde ich allein schon als Vorteil: nicht so dicht mit der Nase drauf, dass man nichts anderes sieht, riecht, hört, schmeckt.  Ich bat Kalle darum, dass ich sein Opus auf meiner Homepage veröffentlichen darf. Ich darf. Danke!

 

Corona, Covid-19, SARS, HIV, Ebola, möglicherweise wird man unsere Zeit einmal das Virozän nennen, was immer noch besser wäre als ein Name, der mit Plastik-Müll in den Meeren oder Reaktorkatastrophen verbunden ist.

Es ist eine Zeit der Angst und des Versuchs, sich schützen zu wollen vor etwas, für das es nicht wirklich einen Schutz gibt. Eine virenfreie Welt, eine Welt, in der es Impfstoffe gegen jedes alte und neue Virus gibt, eine Utopie – und nebenbei gesagt, wäre eine solche Welt überhaupt wünschenswert? Wir sollten Verständnis für die Viren bekommen, selbst für die, deretwegen in den ersten Monaten dieses Jahres die halbe Welt lahmgelegt wurde.

 

▪  Das Jahr 1953, ein Menschenleben vor unserer Zeit, war ein Virusjahr in mehrfacher Hinsicht.

Beginnen wir mit den Teams um Francis Crick und James Watson.  Was sie 1953 entdeckt haben waren die Bausteine des Lebens schlechthin. Heute weiß jedes Kind, daß es nur vier Nukleinsäuren bedarf um daraus ganze Lebewesen zu bauen.  Wir wissen, daß es in jeder Maus und jedem Menschen, jedem Pantoffeltierchen und jedem Dinosaurier DNS und RNS gibt.

Die einen entscheiden, welches Lebewesen wir vor uns haben, die anderen regeln jede Art von Handlungen, zu der jede einzelne Zelle fähig ist.

Wir wissen, daß Zellteilung nur deswegen möglich ist, weil die DNS in einer Doppelhelixstruktur vorliegt, die sich teilen und beliebig vermehren läßt.

Seitdem es Watson und Crick gelang, uns die Welt zu erklären, oder nur wenig später, wissen wir auch, das Viren aus demselben Material bestehen. Wir wissen, daß DNS und RNS lesbare Botschaften sind, so wie Bücher oder das GEO-Magazin, nur unendlich umfangreicher.

Wir wissen, daß Eizellen und Spermien mit ihrer halben Chromosomenzahl den Viren sehr ähnlich sind, die ebenfalls meist nur halbe Chromosomensätze aufweisen.

▪  Der andere Forscher des Jahres 1953 veröffentlichte eine Schrift mit dem Titel „A production of amino acids under possible primitive Earth conditions“. Auf den ersten Blick scheint die Arbeit von Stanley Miller bedeutungslos im Vergleich zur Doppelhelix.

In Wahrheit ist es jedoch der Bericht über den versteinerten Fund eines Bakteriums, das vor dreieinhalb Milliarden Jahren gelebt hat, nichts weniger als daß es in dieser Zeit vor unserer Zeit  schon eine Doppelhelix gegeben hat.

Genial ist diese Arbeit, weil Miller folgerte, daß es noch einmal Millionen von Jahre vorher die ersten Nukleinsäuren gegeben haben muß.

Es ist die Zeit des Präarchaikums.

Könnten wir vier Milliarden Jahre zurückdrehen, würden wir den Topf mit der Ursuppe sehen, ein Etwas, in dem bereits „under possible primitive Earth conditions“ die ersten inosäuren schwammen.

 

Der Name selbst ist uralt, auch wenn wir erst seit Watson und Crick zu wissen begonnen haben, worum es sich bei einem Virus handelt.

Die Römer nannten den grünen Schleim, den man bei einem Katarrh sehen kann Virus.

In dem Wort Virus versteckt sich das lateinische Wort für Grün, viridis.

Kein Mensch dachte daran, einlebloses Gebilde aus Nukleinsäuren für diesen Schleim verantwortlich zu machen.

Auch nicht Robert Koch, der 1882 den Erreger der Tuberkulose fand.

Robert Koch hat den Begriff nicht verwendet. Er sprach von Miasmen, dem griechischen Wort, das ebenfalls nur Schleim heißt.

Noch früher, im Jahr 1796, ging Edward Jenner erste Schritte in die Therapie von Viruskrankheiten, indem er Menschen mit harmlosen Kuhpocken impfte, um sie so vor den gefährlichen Pocken zu schützen. Auch er hatte keine Ahnung, was Viren sind.

 

▪  Richtig in unseren Sprachgebrauch kam das Virus erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, nach Watson und Crick und im Zusammenhang mit der Kinderlähmung und der Pockenschutzimpfung.

Jetzt waren die Viren endgültig als Krankheitserreger klassifiziert.

Und mit der Impfung begann sich auch eine neue Sparte der Medizin zu etablieren.

 

Seitdem werden die Viren das Etikett des Krankheitserregers nicht mehr los.

Inzwischen wissen wir, daß die Krankheitserreger nicht allein die von Robert Koch und Louis Pasteur gefundenen Bakterien sind, sondern auch Einzeller wie die Chlamydien, oder Pilze, oder eben die Viren. Sogar kleinere Dinge als es Viren sind, die wir prionen nennen.

 

Machen Viren krank?

 

▪  Das Narrativ vom Virus sagt, es sei ein Erreger von Krankheiten. Es habe sich auf den Menschen spezialisiert.  Es entwickele Strategien, in uns einzudringen und uns krank zu machen. Das Virus arbeite mit Tricks, unser Immunsystem auszuhebeln. Es bediene sich unserer Schleimhäute, weil die Schleimhäute, anders als unsere Haut Schwachpunkte für unsere Abwehr darstellen.

 

Viren lauern jedoch niemandem auf. Sie kapern uns nicht, wie Piraten ein Schiff kapern, sie haben sich nicht einmal auf uns Menschen spezialisiert. Sie beschützen uns auch nicht, denn weder zu einem Auflauern noch zu unserem Schutz sind sie fähig.

Viren sind Eiweiß, Viren sind keine Lebewesen.

Viren denken nicht und sie haben keine Absichten, stattdessen sind sie Bauanleitungen, Blaupausen, nach denen in unserem Körper Dinge geschehen, die entweder uns stärker machen – was man Immunität nennt – oder Krankheit.

 

… oder Tod.

 

Auf der anderen Seite des Abwehrkampfs heißt es, unser Immunsystem stellt sich dem feindlichen Ansturm entgegen.  Es greift dabei zurück auf  Millionen Jahre alte, angeborene Waffen, und wenn die nicht ausreichen erstellt es sich neue Mittel.

Unser Glück sei, daß die Viren auf ein ganzes Heer von Leibwächtern treffen.

Unser Körper bedient sich der Viren, um unsere Welt sicherer zu machen indem wir gegen sie Abwehrsmechanismen entwickeln. Was unseren Körper angeht, scheint er sich dabei eher in einem zwar stetigen, aber doch zufälligen Konflikt zu befinden, als in einer geplanten Verteidigung.

 

▪  Wie sollte auch unser Körper in der Lage sein, planvoll vorzugehen?

Ein Virus ist kein Lebewesen, also auch kein bösartiges. Um bösartig zu sein bräuchte es eines Charakters und eines Willens, den es nicht hat, weil es nicht lebt. Viren bestehen aus DNS oder aus RNS, ganz ähnlich wie Spermien und Eizellen, Samen und Blütenpollen aus DNS bestehen.

Die Wahrheit ist komplizierter.

Verblüffend ist, daß sowohl Viren wie auch die Gameten keine vollständigen Strukturen sind, sondern meist nur die Hälfte einer Helix aufweisen. Leben kann nur dann entstehen, wenn halbe Chromosomensätze sich zu einem vollständigen Satz verbinden.

Viren vermehren sich, indem sie diesen Vorgang nachahmen … wieder so ein Satz, als würden Viren das aus eigener Kraft tun können.

 

Die Zellen in unserem Körper, welche man Immunzellen nennt und welche im dauernden Austausch mit den Viren stehen, haben ebensowenig einen Willen und ein Gehirn wie die Viren selbst. Unser Gesamtorganismus, der über ein Gehirn und einen Willen verfügt, kann die Immunabwehrzellen nicht gezielt auf Viren und Bakterien abrichten – zum Glück, denn es ist anzunehmen, daß unsere Immunabwehr besser spontan abläuft und nach chemischen Regeln, als unseren Vorstellungen und unserem Willen folgend.

 

Viren benutzen die Wirtszelle, um sich in ihr zu vermehren. Allerdings besitzen unsere Körperzellen Vorrichtungen, mit denen sie Viren aufnehmen, lesen und neu produzieren können.

Diese Vorrichtungen haben nicht die Viren geschaffen, sie sind in den Zellen und scheinen nur auf die Viren zu warten, um sie zu vermehren. Ganz genauso wie ein Spermium die Eizelle nicht erfinden muß, trifft ein Virus auf bereits bestehende Strukturen. Das Virus dockt an, den Rest übernimmt die Zelle.

 

▪  Warum müssen unsere Zellen die Viren erst erkennen, sie selbst auch noch vermehren, um dann Maßnahmen zu ergreifen sie zu bekämpfen? Und warum muß unser Organismus in dieser ganzen Zeit Stadien einer Krankheit durchmachen, die man einen verheerenden Kollateralschaden nennt in der Schlacht um die Immunität? 

Um wieviel einfacher wäre es, wenn es dieses Reproduktionssystem garnicht gäbe!

Gäbe es keine Polymerase und keinen Replikationszyklus, dann gäbe es bald auch keine Viren mehr, keine Krankheiten und das Immunsystem wäre überflüssig.

Warum also hat die Evolution diesen komplizierten Apparat der Virusvermehrung nicht längst aufgegeben? Viren könnten uns nichts anhaben, denn der Bauplan zur Erzeugung von Fieber, Ausschlägen, Lungenentzündungen und Tod würde nichts nutzen, wenn das alles nicht von unseren eigenen Zellen gemacht würde.

 

▪  Wenn die Viren in uns eindringen, so wie es uns immer wieder plausibel erklärt wird, dann über die angeblich schwächste Stelle, die Schleimhaut, die„membrana mucosa“, jenes dünne Häutchen, das ohne jeden Zweifel dünner ist als das „integumentum“, die alles umhüllende Decke.

Der Schlüssel zum Verständnis der Viren liegt womöglich in diesen Schleimhäuten.

Während die normale Haut eher ein Panzer ist, dick, mehrschichtig und zudem gepflastert mit Hautschutzbakterien, sind die Schleimhäute definitiv unsere Kontaktstellen.

Über die Nasen- und Mundschleimhäute nehmen wir unsere Umwelt riechend und schmeckend war, die Funktion der Vaginalschleimhaut steht außer Frage, und der Darm scheidet nicht nur Abfall aus, sondern beherbergt auch eine Unzahl von Lebewesen.

Wenn Viren über die Schleimhäute eindringen, und wenn unsere Körperzellen sie nicht abstoßen, sondern sogar deren Vermehrung übernehmen, handelt es sich offensichtlich doch um eine Form der Kontaktaufnahme.

 

▪  Vermutlich war es eine Urform von Viren, welche die ersten Zellkerne der ersten Lebewesen bildeten.

Heute wissen wir, daß Viren Informationen von einer Art Lebenwesen auf eine andere übertragen. Und vermutlich sind Viren auch während der ganzen Zeit der Evolution ausschlaggend gewesen für das, was da als neues Leben entstand. Möglicherweise sind Viren sogar ein entscheidender Faktor bei der Evolution. Warum sonst sollte es in unseren Zellen eine Art Lesegerät geben für den Datenaustausch, den wir Ich-bezogen, wie wir Menschen sind, Immunsystem nennen?  Wir wissen sicher, daß Pocken und Windpocken aus Genmaterial von Rindern entstanden sind. Masern- und Rötelnviren tragen Vogelgene in sich, das HI-Virus scheint von Affen übertragen worden zu sein, und die Corona-Viren höchst wahrscheinlich wieder von Vögeln.

Aber ist das ein Beleg dafür, daß diese Tierkrankheiten auf uns Menschen überspringen wollten, oder nicht eher ein Hinweis darauf, daß es Probleme gab im Zusammenleben von dieser und jener Art Lebewesen, deren Überwindung gerade von den Viren übernommen werden.

Es ist naheliegend, daß die Natur der Viren nicht darin besteht, uns Menschen krank zu machen.

Viel wahrscheinlicher ist es, daß Viren das Zusammenleben zwischen den Arten erleichtern, indem sie Problem-DNS austauschen.

 

Wir wissen auch, daß Süd- und Nordamerika von den Europäern nicht erobert werden konnten durch die militärische Schlagkraft einer Handvoll verlauster Seeleute. Die Leichtigkeit der Eroberung fußte vielmehr darauf, daß die Einwohner der Neuen Welt nicht über unser europäisches Immunsystem verfügten, das es längst gelernt hatte, mit Schnupfen und Masern fertig zu werden. Wer auch immer in den beiden Kontinenten den Kontakt mit den europäischen Viren überlebt hat, hat Nachkommen, die sich heute problemlos mit jedem Europäer treffen können.

 

So arbeiten Viren!

▪  Keine Krankheitserreger sondern Kommunikationsmediatoren?

Die Corona-Krise scheint mit ihren Todesfällen dagegen zu sprechen.

Während wir aber im Januar und Februar des Jahres 2020  vorwiegend auf die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle fixiert waren, achten wir jetzt mehr und mehr darauf, daß die Zahl der Neuinfizierten abnimmt und daß die Zahl der Genesenen rapide ansteigt.

Noch weiß niemand, zu welchem Zweck uns die neue Immunität gegen die neue Krankheit dienen soll, es scheint aber, als sei das neue Virus weltweit angekommen, und als hätte das Immunsystem im Zusammenspiel mit dem Virus unser Genom stabilisiert.

Ein weltweit stabilisiertes Immunsytem ist möglicherweise entstanden, aber auf der anderen Seite hätte es uns gehen können wie den Indianer Süd- und Nordamerikas.

Irgendwie funktioniert der Austausch zwischen dem Virus und dem Immunsystem, allerdings scheinen beide keine Rücksicht zu nehmen auf Todesfälle.

Nicht vergessen, beide besitzen keinen Verstand, also auch kein Handwerkszeug, um Rücksichten zu nehmen.

 

▪  Eine letzte Frage ist, was passiert, wenn wir Menschen in die Kommunikation eingreifen.

Was passiert, wenn wir nicht mehr mit ganzen Erregern impfen, wie das bei den Pocken und der Polio-Schluckimpfung noch der Fall war, sondern mit Trümmerteilen von Viren, mit Viruseiweiß? 

Ist dann die Kommunikation ebenso erfolgreich wie bei einem ungeschützten Zusammentreffen unseres Immunsystems mit den Viren?

Es mag ja sein, daß Impfungen mit diesen Artefakten die Krankheitssymptome beseitigen, welche unser Körper auf Veranlassung der Viren entstehen läßt. Also wird man impfen und man wird Menschenleben retten. Haben wir damit aber in den letzten 70 Jahren, seitdem wir impfen auch verstanden, was sich gentechnisch seit der Entstehung der ersten Aminosäuren vor 4 Milliarden Jahren tatsächlich abgespielt hat?

 

Viren sind keine Krankheitserreger.

Das Wort Krankheitserreger ist vielmehr eine menschliche Interpretation dessen, was wir wahrscheinlich noch nicht verstanden haben. Ebenso wahrscheinlich wird das Corona-Virus helfen, mehr Licht ins Dunkel zu bringen, und es wird trotzdem noch einiger Jenners und Kochs, Watsens, Cricks und Millers bedürfen, bis wir das Virus verstehen.

Sofern uns das überhaupt gelingen kann.

 

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