Darf/muss man das glauben? Wie kam es zu den Kindergarten- und Schulschließungen?

Ich glaube nicht alles, was im SPIEGEL steht. Seit etlichen Aussetzern in der Berichterstattung/Kommentierung zu Corona schon gleich gar nicht. Weder vergesse ich die unsägliche Geschichte, in der eine Untersuchung mit 27 Goldhamstern (oder waren es 23??) als wissenschaftlicher Nachweis für den Sinn der Maskenpflicht verkauft wurde.

Oder jener Leitartikel (!) vom 18.4.20, betitelt „wir brauchen viel härtere Maßnahmen“ und bei dem ich es mir nicht versagen kann, jetzt, zwei Monate später einen Ausschnitt zu zitieren:

https://www.spiegel.de/politik/corona-und-wege-aus-dem-lockdown-wir-brauchen-noch-viel-haertere-massnahmen-a-00000000-0002-0001-0000-000170518540

Wir brauchen viel härtere Maßnahmen

DER SPIEGEL-Leitartikel von Rafaela von Bredow

Die Ungeduld der Menschen wächst, die Politik debattiert über Lockerungen. Wissenschaftlich betrachtet ist das fatal, der Shutdown müsste sogar noch verschärft werden – bis wir viel mehr über das Virus wissen. …. Solange wir ein Inferno wie in Italien oder Spanien verhindern wollen, müssen wir eine Isolierung, wie wir sie bisher hatten, aufrechterhalten. Dass wir bis 2022 damit leben müssen, ist keine Panikmache, sondern ein realistisches Szenario. Ein Team um den Harvard-Forscher Stephen Kissler hat das jetzt für die USA berechnet…“

 Dieser und anderer Fehlleistungen eingedenk, fasse ich den Artikel

Rekonstruktion der Schulschließung“ vom 19.6.20 (mal wieder kostenpflichtig!)

mit spitzen Fingern an.

Aber wenn da auch nur die Hälfte davon stimmt, kann ich mal wieder eines meiner Lieblingszitate des schwedischen (huch!) Reichskanzlers Oxenstierna anbringen: „Mein Sohn, du ahnst nicht, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird.“ (Das war irgendwann zwischen 1580 und 1640, also frei vom Verdacht tendenziöse schwedische Meinungsmache zu sein).

Also… der SPIEGEL vom 19.6.20 („Rekonstruktion der Schulschließung. Der Drosten-Schwenk und seine Folgen“)    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-schulschliessung-rekonstruiert-der-drosten-effekt-und-seine-folgen-a-00000000-0002-0001-0000-000171667043

behauptet:

Bis zum 11.3.20 war der Chefvirologe Drosten eher gegen Schulschließungen „das bringt nicht so viel“. Dann hätte er am selben Tag einen dreizehn Jahre alten Artikel gelesen: Es handelt sich um eine Auswertung von Daten über die Spanische Grippe von 1918 bis 1919 in 43 amerikanischen Städten, erschienen im ‚Journal of the American Medical Association‘.“

Und jetzt halten Sie sich fest: Von Stund an war Herr Prof. Dr. Drosten anderer Meinung. Ein einziger Artikel! (angeblich, so behauptet der Spiegel, schränke ich ein…). Erinnert sich noch irgendwer an Dr. Wodarg? Das war der, der in der Luft zerrissen wurde, weil er Parallelen zwischen Corona und Influenza behauptete! Da konnten die wahren, die richtig-richtigen Experten nur empört schnauben: absolut unwissenschaftlich! Keine Ahnung der Mann! Sogar seine Website wurde kurzzeitig gesperrt. Vermutlich wegen Volkszersetzung oder so.

Und jetzt nimmt der Chefvirologe Drosten einen (!) Artikel über die verheerende Spanische Grippe 1918/19 (by the way: sie traf auf ein durch Krieg zerstörtes, hungerndes Europa… vor 101 Jahren, wie es in den USA war, weiß ich nicht, ich gebe es zu) zum Anlass, einen Meinungsschwenk zu vollziehen. So stelle ich mir seriöse Wissenschaft vor!

 

Aber was dann kommt, erscheint mir noch schlimmer (immer unter der Voraussetzung, der SPIEGEL hat sich das nicht aus den Fingern gesaugt). Tags darauf (also am 12.3.) passierte Folgendes in der Runde von Kanzleramt/MinisterpräsidentInnnen: „Dort trug Drosten seine neue Erkenntnis vor, mit der Empfehlung, schnell zu handeln. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) fragte: ‚Herr Drosten, Sie haben gestern noch gegen Schulschließungen argumentiert.‘ Drosten bejahte und erläuterte, was ihm die Kollegin aus den USA zugesandt hatte.

‚Ich war baff‘, sagt einer der Ministerpräsidenten heute, ‚der Hauptakteur gegen Schulschließungen war plötzlich anderer Meinung.‘ Die Argumentation all derer, die Bedenken hatten gegen einen Shutdown der Schulen, sei plötzlich hinfällig gewesen.“

 Und jetzt passierte (immer noch: vorausgesetzt der SPIEGEL fantasiert sich nicht etwas zusammen) etwas, was einfach unglaublich ist.

Es sei im Kreis derer, die uns regieren „eine Dynamik entstanden, so berichten Teilnehmer, die nicht mehr aufzuhalten gewesen sei. ‚Plötzlich mussten sich nicht mehr diejenigen rechtfertigen, die schließen wollten, sondern die, die dagegen waren‘, so schildert es ein Teilnehmer.“

Ja sind wir denn hier im Hühnerstall? Sind wir hier unter lauter Duckmäusern? Unter Opportunisten, die vor irgendeiner dahergelaufenen „Dynamik“ kuschen.

Niemand der sagte „denkt noch mal nach!“ Niemand, der drauf bestand: „Da brauche ich mehr Informationen, das geht mir zu schnell!“ Niemand der sagte: „Selbst, wenn die Parallele zur Spanischen Grippe stimmt, müssen wir doch das Für und Wieder von Kindergarten- und Schulschließungen ausführlicher diskutieren.“ Nichts, nichts dergleichen. Was für eine Schande…. Wenn es stimmt, was der Spiegel schreibt. Und Tönnies durfte weiter arbeiten. Da als systemrelevant ausgezeichnet.. …

 

 

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