Information und Desinformation am Beispiel Schweden

Schweden hat bis jetzt die Schulen nicht geschlossen, die Restaurants sind offen und überhaupt bleibt der Umgang angemessen und vernünftig. Oder bodenlos leichtsinnig…. Je nach Standpunkt. Was stimmt, wird man – bestenfalls – „nach Corona“ wissen. Wobei ich wetten möchte, dass dann jede Regierung ihre Vorgehensweise als die erfolgreichste/einzig richtige preisen wird. Und wenn die Zahlen nicht dazu passen, werden „äußere Faktoren“ gefunden werden. Ganz bestimmt werden nicht falsche Maßnahmen schuld sein, sondern irgendwas Drittes.. Und „das Volk“, besonders das Volk, das sich brav an die Vorgaben hielt und dafür sorgte, dass seine Repräsentanten von einem Zustimmungshoch zum nächsten Zustimmungshoch emporgehoben wurden und sich bestätigt sahen, „das Volk“ also wird natürlich auch schwerlich sagen: Hm…. vielleicht wäre ein anderer Weg doch besser gewesen.

Ach, wie ist es doch schwer, die eigene Meinung zu korrigieren, zuzugeben: Ich habe mich geirrt.

Wie schwer das ist, weiß ich von mir selber und habe also Verständnis. Verständnis schon. Aber trotzdem finde ich: Mit Verständnis allein ist es hier nicht getan.

Ende der Vorrede.

Die Tagesschau berichtet heute (12.4.) unter der Überschrift „Das Ende des schwedischen Sonderweges?“ (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/ausland/corona-kursaenderung-schweden-103.html)  – (wobei man das Fragezeichen leicht übersieht) einerseits davon, dass Focus online am 5.4. titelte: „Präsident warnt vor Tausenden Toten. Regeln werden verschärft: Schwedens Corona-Strategie fällt in sich zusammen“. Die von mir so geschätzte Süddeutsche Zeitung  hatte am 6. April unter der Überschrift „Schweden steht am Ende des Sonderwegs“ genauso von einer Kursänderung gewusst wie die Tagesschau.de am selben Tag Mehr Corona-Infektionen: Schwedens Regierung plant Kursänderung“.

Und was ist? Bis heute nix. Vielmehr – laut Tagesschau vom 12.4.:

Richtig ist, am vergangenen Wochenende hat es Verhandlungen der schwedischen Regierung und der Opposition über eine Gesetzesänderung im Rahmen des Seuchenschutzes gegeben. Ziel der rot-grünen Minderheitsregierung unter Leitung von Ministerpräsident Stefan Löfven war es, mit Blick auf die Ausbreitung des Coronavirus‘ die rechtliche Möglichkeit zu erhalten, kurzfristig Geschäfte, Restaurants oder Bahnhöfe schließen bzw. Menschenansammlungen weiter beschränken zu können. Auch das Verschieben von medizinischen Ressourcen innerhalb des Landes sollte mit dem Gesetz möglich werden.“

Sonst nichts.

Und jetzt ist nicht nur die Falschmeldung vom Focus über die zusammenbrechende Strategie interessant sondern meine Reaktion auf die „Entwarnungs-Mitteilung“ der Tagesschau nicht minder: Focus etc. – so unterstelle ich jetzt einfach – hoffen, dass die schwedische Strategie zusammenbricht. Differenzierte Informationen wurden zur undifferenzierten Überschrift, weil sie gut ins eigene Konzept passten. Ich hingegen hoffe, dass sich die schwedische Strategie als erfolgreich erweist – denn das würde meine Überzeugung stützen. Und ich würde doch so gerne recht behalten. Eine Meldung von Focus online nehme ich also nicht einfach zur Kenntnis, sondern sie löst Enttäuschung bei mir aus – wenn sie sich als Falschmeldung erweist, neige ich irgendwie zum Triumphieren. Und ich behaupte keck: so wie ich reagiere, reagieren noch andere.     

Das heißt: Informationen und Emotionen und Überzeugungen bilden ein Mischmasch. Und das ist ganz gewiss nicht gut. Besonders nicht für die Informationen…. Der Unterschied: Mein Blog lesen deutlich weniger Leute wie Focus online zum Beispiel. Dass ich das bedauerlich finde hängt nicht (nur) mit der besseren Qualität meiner Informationen zusammen, sondern mit meinen deutlich angemesseneren Emotionen und richtigen Überzeugungen. So ist das nämlich! Achja.

 

 

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